Der Wendepunkt unserer Reise nahte. Nach unserem Fyordland-Abstecher machten wir uns auf Richtung südlichere Gefilde. Wobei südlich in diesem Fall natürlich nicht warm und lauschig bedeutet, sondern kalt, feucht und windig. Regenjacke, Schal und Kappe waren nun wieder angesagt.
Die Küste der südlichsten Provinz des Festlands von Neuseeland, auch "The Catlins" genannt, erinnerte uns vage an gewisse Regionen Patagoniens. Rauhes Klima mit kühlen Temperaturen, starkem Wind und häufigem Regen herrschen hier vor. Die Vegetation gestaltet sich entsprechend karg, flaches Grasland besetzt mit wenigen knorzigen Bäumen, die eher als grossgewachsene Sträucher durchgehen würden. Und zeitweise keine Menschenseele weit und breit. Gerade diese Landschaft und das dazugehörige Wetter geben der Region aber den gewissen Charme, etwas ungehobeltes, unbändiges, das wir in Mitteleuropa nicht kennen.
Entlang der Asphaltstrasse liegen diverse Sehenswürdigkeiten, zu denen meist nur eine schmale Schotterpiste führt. Manchmal hat man den Eindruck, die letzte Strasse der Zivilisation in Richtig Niemandsland zu verlassen, um dann kilometerweit zum Endpunkt der Erde zu fahren. Was auch gar nicht so abwegig ist. Denn auf einer dieser Strässlein gelangt man zum südlichsten Punkt des Landes: Am sogenannten "Slope Point" ist man dem Südpol näher als dem Äquator, was einen die rauhe Küste auch hautnah spüren lässt. In unseren Gedanken war dies sozusagen der Scheitelpunkt unseres Neuseeland-Trips, von hier aus konnte es nur noch aufwärts gehen (oder zumindest nordwärts). Naja, die Realität sollte ein wenig anders aussehen...
Ein weitaus beliebteres Touristenziel ist die "Curio Bay", ein Bucht, wo gleich zwei Attraktionen beobachtet werden können - vorausgesetzt, man ist zur richtigen Zeit vor Ort. Denn nur bei Ebbe kommt an der Küste eine Vielzahl von versteinerten Baumstämmen und -strünken zum Vorschein. Interessanter ist aber ein Schauspiel, dass jeweils erst bei Dämmerung stattfindet: In den frühen Abendstunden kommen fast täglich Pinguine an Land, die hier ihre Brutstätten haben. Und werden jeweils von einer Herde schaulustiger Touristen empfangen und abgelichtet (die ihnen aber nur auf 10 Meter nah kommen dürfen).
Am Nachbar-Strand, wo auch unser Campingplatz lag, Porpoise Bay, sollte ein halber Zoo von Meeressäugern zu beobachten sein - Seelöwen, Pinguine, Delphine und seltener sogar Wale. Wir sahen: Nichts davon! Dabei stehen überall Warntafeln, wonach Seelöwen regelmässig den Campground unsicher machen sollen und diese auf keinen Fall unterschätzt werden dürften. Doch bei uns, nada. Dafür durften wir uns eine weitere Regennacht im feucht-kühlen Büsli um die Ohren schlagen. Ist doch auch was. Zumindest für eingefleischte Abenteuer-Fans.
Noch so bereit zur Weiterfahrt ging es am Morgen weiter entlang der Südküste, denn davon hatten wir erst etwa die Hälfte hinter uns gebracht. Das Wetter wurde ein wenig entspannter, und einige kleinere und grössere Sehenswürdigkeiten weiter hatten wir es geschafft und bogen letztendlich ab Richtung Norden, wo uns wieder camping-freundlichere Bedingungen erwarteten (hoffentlich).




