Frodo und die Eisenbahn

February 27, 2011 - Ranfurly, New Zealand

Das warme, sonnige Wetter begrüsste uns in der Stadt Dunedin, als wir von unserem Abstecher ins rauhe Southland wieder zurück in den milderen Südwesten kamen. Die Wahl eines einigermassen komfortablen Campingplatzes war nach den letzten feucht-frostigen Nächten schnell gefällt.

Dunedin lädt zum Shoppen ein, hat ansonsten aber nicht viel zu bieten. Die Parkplatzsuche gestaltet sich schwierig, und mit unserem Büsli in ein Parkhaus zu fahren, oder besser, es zu versuchen, war keine gute Idee. Wir blieben beinahe stecken! Auch wieder eine Erfahrung.

Nachdem unsere Vorräte aufgestockt und der nächste Trip organisiert war, ging die Fahrt weiter in Richtung südwestliches Hochland. Im sogenannten Central Otago wurden angeblich einige der atemberaubenden Szenen von Herr der Ringe gedreht. Das wollte Björn natürlich gesehen haben.

Doch bekannter als Frodo's Verfilmung in dieser Gegend ist die alte Eisenbahnstrecke, die einst von der Küste ausgehend quer durchs Hochland führte. Schon lange war der Betrieb eingestellt worden, und vor einigen Jahren wurden die Geleise samt Bahnschotter entfernt und in einen Wander-, Reit- und Veloweg umgewandelt. Seither gilt der "Otago Central Rail Trail" als Highlight für Hobbyradler.

Die Velos werden samt Ausrüstung für zwei oder drei Tage gemietet, um damit die Wildnis von "Mittelerde" zu durchqueren - was absolut zu empfehlen ist! Abgesehen von Muskelkater in den permanent durchgeschüttelten Handgelenken und Unterarmen (von wegen Federgabel!) und unsäglichen Druckstellen am Allerwertesten (von wegen bequemer Sattel) bietet der Schotterweg, der über Schafweiden und schmale Brücken und durch stockfinstere Tunnel führt, vor allem eines: Zahllose wunderschöne Ausblicke in die Weite der Hochebene, deren grosszügige Offenheit und schlichte Schönheit in dieser Art einmalig in Neuseeland ist. Björn ging während der zweitägigen Fahrt die ganze Zeit die Titelmelodie der Ringe-Trilogie im Kopf umher: Taaa-Taaa-ta-ta-Taaa...!

Zwischenstop machten wir im verschlafenen Dörfchen Ranfurly, wo es ausser einer Handvoll kleiner Unterkünfte und noch weniger Restaurants kaum etwas gibt. In den kleinen Dörfern entlang der ehemaligen Eisenbahnstrecke scheint die Zeit seit der Stillegung des Bahnbetriebs stehen geblieben zu sein. Im Gegensatz zu den stark gewachsenen Touristenzentren an der Küste haben sie jedoch ihren eigentümlichen Charm behalten.

So wie auch die Einheimischen, die hier ihren eigenen Rhythmus leben. Der Vermieter unserer gemütlichen Kleinunterkunft war vor fünf Jahren aus Neuseeland's windiger Hauptstadt Wellington ausgewandert, um im milden Hinterland ein entspannteres Leben zu finden - was ihm offenbar gelungen war. Wir genossen die warme Abendsonne, die Ruhe - und für einmal auch das Kochgeschirr ruhen zu lassen, um im Restaurant gut essen zu gehen.

Ausgeruht und mit neuer Energie brachten wir auch den zweiten Velotag in der grossartigen Landschaft gut hinter uns. Dennoch waren wir froh, nach geschaffter Strecke unsere Miet-Bikes wieder abgeben und in den Bus steigen zu können, der uns zurück zum Ausgangspunkt brachte. Dort angekommen hiess es natürlich wieder selber ans Steuer, und mit ein wenig Wehmut verliessen wir das wunderschöne Central Otago wieder Richtung Küste.


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