Vom Schwelgen in Urlaubserinnerungen...zur Uni

January 6, 2008 - Hong Kong - Kowloon, China

Wer mich kennt, weiss, dass ich gerne und manchmal auch zuviel zurueckblicke. Aber wenn ich an die vergangenen Wochen in der Ferne denke, welche so schnell vergingen, dann muesstet Ihr meine Melancholie nachvollziehen koennen.

Ich sitze am Avenue of stars, Hongkong Island mir seiner immer noch faszinierenden Skyline und den Bergen gegenueber und einem Luxus-Starbuckscappu in der Hand.

Eigentlich aehnlich wie Beitzi und ich gestern, kurz vor seiner Heimkehr. Nur dass ich die Sonne und winterliche 22 C geniese – und ich heute alleine bin.

Nun ja, Insofern man von alleine reden kann. Die touristischen Asiaten sind auch hier staendig am posen, fotografieren und in Massen vertreten. So habe ich zwar keinen Platz der Ruhe gefunden, aber eine Bank und auch das ist ein seltenes Gut in dieser hektischen Stadt, in der Laufen eine ganz neue Bedeutung bekommt.

Eine knappe Woche hat mich Beitzi durch die Stadt getrieben, von einer Touri-Attraktion zur Naechsten. Immer mit dem Fuehrer in der Hand und dem Gedanken soviel wie moeglich gesehen zu haben.

 

Am ersten Tag genossen wir den abendlichen Sonnenuntergang vom 554 m hohen Victoria Peak aus, mit einem unglaublichen Ausblick auf Hongkong. Nachdem die Sonne untergegangen war, wurde es recht kuehl und die Menschenschlange des Tramways (die alte Standseilbahn bringt einen bergauf und –ab) zu lange, um frierend auf die Bergabfahrt zu warten. So entschieden wir uns dafuer, den Berg hinunter zu rennen. Die vorhergesagte halbe Stunde wurde zu einer Stunde, der Weg schlaengelte sich um den halben Berg, kurvenreich und stufenlastig durch dunkle Waelder mit schonen Ausblickpunkten auf die Stadt. Als wir letztendlich unten ankamen hatten wir tatsaechlich keine Sekunde gefroren, einen straffen Spurt hingelegt und einiges von der Stadt gesehen.

Bereut hatte ich die Entscheidung bis dahin nicht, sich mal wieder richtig zu bewegen tat gut, machte Spass und letztendlich war dies nach 3 Wochen thailaendisches Marathonessen auch nicht verkehrt. Allerdings zeigte sich das Resultat des Laufs am naechsten Tag, als ich mit einem Satz aus dem Bett vor Schmerz des Muskelkaters direkt wieder ins Bett katapultiert wurde. Die naechsten Tage waren Stufen und Steigungen die Hoelle.

Nicht desto Trotz verlor Beitzi seinen Entdeckungsdrang nicht und wollte bei der Tempelanlage der 10000 Buddhas auch den Letzten gesehen haben. Ihr muesst Euch das vorstellen, eine stufige Allee gesaeumt von golden-glaenzenden Buddhas in allen Variationen, die einem zum Tempel fuehren. Bei 10000 Stueck, alle 2 m zwei 1m breite Buddhas….macht das 15 km mit groesstem Muskelkater – so war meine Eingangsrechnung. In der Mitte erfuhr ich, dass es sich inzwischen um 13500 Buddhas handelt.

Wie Ihr Euch denken koennt war die Freude gross als ich den ersten Tempel betrat und die Waende aus dachhohen Vitrinen bestanden, befuellt mit unglaublich vielen goldenen, kleinen Buddhas. Da vergass ich glatt die vorhergehende, orientierungslose Suche nach dem Eingang der Tempelanlage, welche zu unserem unwissenden Fruehstueckgelage auf dem Urnenfriedhof der Stadt fuehrte. :o

Meine schmerzenden Muskeln wurden allerdings auch beim spaeteren Besuch meiner zukuenftigen Uni und Studentenwohnheim nicht geschont. Ein riesiges Gelaende bei dem sich die Suche nach dem richtigen Eingang als schwierig erwies.

 

Die folgenden Tage haben wir noch so vieles entdeckt, bei dem fuer mich auch ein zweiter Besuch nicht langweilig ist. Beitzi stellte ein straffes Programm auf die Beine (immer noch schmerzend), dass bis in die Nacht ging, wie das Schlendern ueber den Night Market. Dieser gehoerte genauso zu den Highlights wie der Hongkong Park mitten auf Hongkong Island, der zoologische und botanische Garten und unser Tagesausflug nach Macao. An den Parks war faszinieriend, dass sie umgeben von Hochhaeusern eine gruene Insel boten. Sehr unwirklich das Gefuehl, zwischen allerlei Baeumen und Palmen zu spazieren, einen Wasserfall zu bestaunen, winteraktive einheimische Schlangen in den Bueschen zu fuerchten, in der riesigen Freiflughalle umgeben von vielen rumschwirrenden, kunterbunten Voegeln zu sein und dabei sich doch mitten in der Stadt zu befinden.

Am Freitag fuhren wir 1 Stunde mit einer Art Speed-Boat zum Las Vegas Asiens = Macao. Die Stadt stand 442 Jahre unter portugisischer Verwaltung und gehoert seit 1999 wieder zu China. Daher bietet es sowohl portugisischen Flair mit Kirchen, schoenen Plaetzen und Strand, aber auch architektonisch pompoese Casinos und den 388 Meter hohen Macau-Tower. Mit meiner Hoehenangst gehoerte der Besuch des zehnhoechsten Turms der Erde zu den aufregendsten Erlebnissen dieser Reise. Auf 233 Metern ueber Glasplatten zu laufen bzw. zu huepfen brachte mich dazu mich zittrig an Saeulen zu klammern und das blosse Zuschauen der 10m entfernten Spruenge der Bungee-Jumper liessen jede Blutzufuhr in meinen Haenden stocken. Im Uebrigen kann man hier auch am Mast hochklettern oder einen nur mit Seil gesicherten Skywalk am aeusseren Ring des Turms riskieren.

 

Nach 6 Tagen Hongkong haben wir vieles von dieser Stadt gesehen. Zum dem Restmuskelkater bleiben mir vom Beitziurlaub meine unglaublich blond-weissen Augenbraunen und viel zu viel Braeune fur die Asiaten (man koennte mich zur Zeit als Negativ eines Chinesen sehen). Aber mit dem Kauf einer Whiteningcreme und eines Sonnenschirms werde ich mich langsam an die Gepflogenheiten der asiatischen Welt anpassen. ;o)

Die anfaenglichen Probleme, wie die befuerchtete einseitige Ernaehrung durch Mc Donalds (Menue kostet nur 2,50 Euro) hat sich durch das Auffinden von mehr oder weniger versteckten, guenstigen chinesischen Restaurants erledigt. Nur das Essen mit Staebchen stellt immer noch eine Herausforderung da. Als ich heute versuchte wie mein Tischnachbar die Chicken Wings mit den Staebchen zu halten und die Wings abzuknabbern, stiess ich nach dem Zweiten wirklich an meine Hungersgrenzen. Man moege mir den Fingerfood verzeihen.

Allerdings bereute ich diesen selbst bei der darauf folgenden Suppe. Da man auch hier die Zutaten mit Staebchen rauspickt und meine auf Grund der inzwischen fettigen Finger kein Halt fanden, konnte ich weder die Nudeln, das Saitenwuerstchen, die Leberwurst, die Lyoner, das Schweinefleisch, den Eissalat noch das komplette Spiegelei aus der Suppe fischen. Jahaa….lecker.

Beim Essen gehen uebe ich noch, gibt ja auch genug Auswahl, aber das Nachtleben kann sich schonmal sehen lassen. Mit den richtigen Leuten an deiner Seite kann es durch aus amuesant werden und dank der vielen westlichen Touristen und Geschaeftsleuten und kontaktfreudigen Chinesen durchweg unterhaltsam. Vor allem das Erkennen der westlichen Leute untereinander macht die Kontaktaufnahme sehr einfach, mit 3 neuen Kontakten und netten Ich-zeig-Dir-die-Stadt-Angeboten in der Tasche sehe ich dem halben Jahr optimistisch entgegen.

 

Heute fiel es mir schwer Beitzis und meine abgelaufenen Wege zu gehen  und so habe ich die Gegenrichtung eingeschlagen, um in anderen  Vierteln neue Restaurants zu finden und vor allem Erinnerungen zu vermeiden.

Morgen werde ich endlich aus meinem 4 qm rundum-befliessten Zimmer in mein 13 qm / 2 Personen- Studentenzimmer ziehen, den erlebnisreichen Urlaub mit Beitzi hinter mir lassen (Haeckchen gemacht an Beitzi ;o)), sehr schoenen Erinnerungen neue folgen lassen und mich in den studentischen Alltag in Hongkong stuerzen.

Bin gespannt und werde berichten.

Liebe Gruesse, Iris

P.S. Weitere Fotos folgen noch.

Pictures

Meine neue Uni - Hong Kong Baptist University
New Campus - Shaw Campus
Stolzer Sklaventreiber Beitzi
Temple of 10000 Buddhas
 
 

11 Comments

Steffen Ücker:
January 9, 2008
Das Schreiben liegt dir. Herrlich! Macht Laune die ganzen Berichte hier zu lesen. Ich bin fast geneigt zu sagen, es ist überflüssig hier überhaupt Fotos einzustellen. Aber so ne Moped-Iris ist dann doch mal ganz amüsant! ;-)

Das Antworten auf deine Blog-Einträge seit dem letztem Skype-Chat hat sich ja etwas verzögert. Schuld daran hatte aber dieses verdammt Fieber, dass mir den Start ins neue Jahr besonders brutzzelig werden lassen wollte.

Aber durch meine konsequente Nahrungsverweigerung (inkl. massivem Flüssigkeitsverlust durch die Fieber-Attacken) in diesen Tagen hab ich wenigstens mein Vorweihnachtsgewicht wieder. TaaaDaaaa! ;-)

Mit den Bilder von Wien dauerts übrigens noch... hab Probleme mit meiner Blog-Soft. Kriegst aber umgehend ne Mail, wenns läuft!

Bis dahin.... bin ja mal auf den nächsten Thai-Roman gespannt! ;-)

Gruß
Steffen
Albert:
January 10, 2008
alles Gute
Papa
Iris:
January 14, 2008
Uff...also irgendwie komme ich hier zu garnichts mehr.

Aber auf Steffens wirklich netten Worte moechte ich nun endlich mal antworten (hoffe du bist soweit wieder fit und hast wieder etwas auf den Rippen -Vorweihnachtsgewicht...tztztz...und was macht eigentlich dein Blogproblem?)

Vielleicht hat es ja fuer die Leser unter euch was Gutes, dass ich ohne Kamera unterwegs bin. Denn ohne Kamera gibt es keine Bilder, und ich muss mich so mehr den Worten bedienen. Wenn ich denn Zeit finde.

Den Bilderdurchklickmenschen kann ich vielleicht bald etwas neues anbieten - Hongkong in Watercolour.
Hatte heute meinen ersten Wasserfarbenmalkurs und es hat wirklich Spass gemacht - naechste Woche kommt Regenbogenmalen dran. Und dann bald gibt es Hongkong verschwommen mit dem Titel..hm...Smoggy view from the Peak. ;o)
Und fuer alle die denken...pfff...Wasserfarben malen...dann schaut euch mal fotorealistische Bilder von Jay Kelly, John Salt (http://www.okharris.com/artists/salt.htm) oder meiner Professeroin Y.J. Cho an (http://www.firstcycle.org/yjc/room-5.html).
War heute schwer beeindruckt.

Und los gehts mit....dem Regenbogen.

Gruesse, die Iris
Marc:
January 20, 2008
Hey Iris,
kann mich
Steffen da nur anschließen...macht wirklich Laune, deine Berichte zu lesen! Mehr davon!
Aber hab mir schon gedacht, dass das hier mit Beginn der Uni etwas nachlassen wird.
Ich hoff doch aber, dass wir deine Erstlingswerke des Wasserfarbenmalens auch mal zu Gesicht bekommen. Hast da ja gute Dozenten. Hat mich auch ziemlich beeindruckt, was ich da auf den Links so zu sehen bekam.
Hoff du hast dich soweit gut in dein Unileben, und auch sonst so in Honkong, einglebt!?

Gruß Marc
Iris:
January 21, 2008
Hm...hab ja soviel zu erzaehlen und so garkeine Zeit. Aber ich werde sie mir noch diese Woche nehmen. Soooo...jetzt hab ich meine Deadline.

Liebster Marc, wenn Dich die Bilder meiner Dozenten beeindrucken, dann muesstest du meinen heute erstellten Regenbogen sehen. Beeindruckend aehm...bunt!? Foto folgt.

Ansonsten fuehle ich mich hier jeden Tag mehr wohl und bald geht es auch schon wieder in Urlaub. Bevor die Braeune ganz verflogen ist.

Aber mehr dazu naechstes Mal.

Liebe Gruesse ins Schwabenland...und natuerlich Badener Land, Iris
Stienz:
January 22, 2008
man...jetz hab ick soviel zeit damit verbracht das alles hier zu lesen...kann jetz garnich mehr antworten. also mehr... also naja, egal! lass dir mal gut gehen. auch berlin denkt an dich! (bin anfang märz bei dir umme ecke in tokyo...)bis bald, dann konzentrierter und besserer bullshit! viele regenbögense!F.
Iris:
January 23, 2008
Juhe..Berlin denkt an mich.

Und wie waere es wenn Mr. F. aus B., wenn schon um die Ecke, ein Bsuechle in HK macht. Tokyo ist viel zu teuer und japanisch schmeckt, abgesehen vom rohen Fisch, auch nich...
Fuers erste bin ich aber mit weniger konzentrierter und somit genauerer Erklaerung deines Asientrips zufrieden...Bullshit hin oder her....haeh!?...naja....wie auch immer...kunterbunte Gruesse gehen heute speziell nach Berlin, Iris
February 2, 2008
schade, hattemit nem neuen eintrag gerechnet! freu mich drauf!
danke für deine mail, antwort ist in arbeit!
LG
Marc:
February 7, 2008
Hey, ein frohes neues Jahr wünsch ich ;-) Ist doch heut, oder? Hoff der Neujahrskater ist nicht so dolle!?
Und, wie ich sehe, einen schönen Urlaub!
Grüßle
Dirk:
February 22, 2008
Hey Iris,
hab den Blog doch alleine gefunden ;-P
nett von dir zu lesen =)
Wollt hier eigentlich au nur nen Gruß dalassen: Also, send dir alles gute aus Freiburg =)
bis bald
Dani:
February 24, 2008
..wieder mal am restauranteinlass..gääähn aber danke Deine Blogs verkürzen mir die wartezeit zum feierabend, macht spass zu lesen,an der stelle auch liebe grüsse an steffen,katha ,marc und familie wolfer, bis bald glg aus wien!!

Leave a comment

* Name:
* Email: (won't be displayed)
Website:
* Comment:
Fuzzy Travel · Next »
Create blog · Login