Wer mich kennt, weiss, dass ich gerne und manchmal auch zuviel zurueckblicke. Aber wenn ich an die vergangenen Wochen in der Ferne denke, welche so schnell vergingen, dann muesstet Ihr meine Melancholie nachvollziehen koennen.
Ich sitze am Avenue of stars, Hongkong Island mir seiner immer noch faszinierenden Skyline und den Bergen gegenueber und einem Luxus-Starbuckscappu in der Hand.
Eigentlich aehnlich wie Beitzi und ich gestern, kurz vor seiner Heimkehr. Nur dass ich die Sonne und winterliche 22 C geniese – und ich heute alleine bin.
Nun ja, Insofern man von alleine reden kann. Die touristischen Asiaten sind auch hier staendig am posen, fotografieren und in Massen vertreten. So habe ich zwar keinen Platz der Ruhe gefunden, aber eine Bank und auch das ist ein seltenes Gut in dieser hektischen Stadt, in der Laufen eine ganz neue Bedeutung bekommt.
Eine knappe Woche hat mich Beitzi durch die Stadt getrieben, von einer Touri-Attraktion zur Naechsten. Immer mit dem Fuehrer in der Hand und dem Gedanken soviel wie moeglich gesehen zu haben.
Am ersten Tag genossen wir den abendlichen Sonnenuntergang vom 554 m hohen Victoria Peak aus, mit einem unglaublichen Ausblick auf Hongkong. Nachdem die Sonne untergegangen war, wurde es recht kuehl und die Menschenschlange des Tramways (die alte Standseilbahn bringt einen bergauf und –ab) zu lange, um frierend auf die Bergabfahrt zu warten. So entschieden wir uns dafuer, den Berg hinunter zu rennen. Die vorhergesagte halbe Stunde wurde zu einer Stunde, der Weg schlaengelte sich um den halben Berg, kurvenreich und stufenlastig durch dunkle Waelder mit schonen Ausblickpunkten auf die Stadt. Als wir letztendlich unten ankamen hatten wir tatsaechlich keine Sekunde gefroren, einen straffen Spurt hingelegt und einiges von der Stadt gesehen.
Bereut hatte ich die Entscheidung bis dahin nicht, sich mal wieder richtig zu bewegen tat gut, machte Spass und letztendlich war dies nach 3 Wochen thailaendisches Marathonessen auch nicht verkehrt. Allerdings zeigte sich das Resultat des Laufs am naechsten Tag, als ich mit einem Satz aus dem Bett vor Schmerz des Muskelkaters direkt wieder ins Bett katapultiert wurde. Die naechsten Tage waren Stufen und Steigungen die Hoelle.
Nicht desto Trotz verlor Beitzi seinen Entdeckungsdrang nicht und wollte bei der Tempelanlage der 10000 Buddhas auch den Letzten gesehen haben. Ihr muesst Euch das vorstellen, eine stufige Allee gesaeumt von golden-glaenzenden Buddhas in allen Variationen, die einem zum Tempel fuehren. Bei 10000 Stueck, alle 2 m zwei 1m breite Buddhas….macht das 15 km mit groesstem Muskelkater – so war meine Eingangsrechnung. In der Mitte erfuhr ich, dass es sich inzwischen um 13500 Buddhas handelt.
Wie Ihr Euch denken koennt war die Freude gross als ich den ersten Tempel betrat und die Waende aus dachhohen Vitrinen bestanden, befuellt mit unglaublich vielen goldenen, kleinen Buddhas. Da vergass ich glatt die vorhergehende, orientierungslose Suche nach dem Eingang der Tempelanlage, welche zu unserem unwissenden Fruehstueckgelage auf dem Urnenfriedhof der Stadt fuehrte. ![]()
Meine schmerzenden Muskeln wurden allerdings auch beim spaeteren Besuch meiner zukuenftigen Uni und Studentenwohnheim nicht geschont. Ein riesiges Gelaende bei dem sich die Suche nach dem richtigen Eingang als schwierig erwies.
Die folgenden Tage haben wir noch so vieles entdeckt, bei dem fuer mich auch ein zweiter Besuch nicht langweilig ist. Beitzi stellte ein straffes Programm auf die Beine (immer noch schmerzend), dass bis in die Nacht ging, wie das Schlendern ueber den Night Market. Dieser gehoerte genauso zu den Highlights wie der Hongkong Park mitten auf Hongkong Island, der zoologische und botanische Garten und unser Tagesausflug nach Macao. An den Parks war faszinieriend, dass sie umgeben von Hochhaeusern eine gruene Insel boten. Sehr unwirklich das Gefuehl, zwischen allerlei Baeumen und Palmen zu spazieren, einen Wasserfall zu bestaunen, winteraktive einheimische Schlangen in den Bueschen zu fuerchten, in der riesigen Freiflughalle umgeben von vielen rumschwirrenden, kunterbunten Voegeln zu sein und dabei sich doch mitten in der Stadt zu befinden.
Am Freitag fuhren wir 1 Stunde mit einer Art Speed-Boat zum Las Vegas Asiens = Macao. Die Stadt stand 442 Jahre unter portugisischer Verwaltung und gehoert seit 1999 wieder zu China. Daher bietet es sowohl portugisischen Flair mit Kirchen, schoenen Plaetzen und Strand, aber auch architektonisch pompoese Casinos und den 388 Meter hohen Macau-Tower. Mit meiner Hoehenangst gehoerte der Besuch des zehnhoechsten Turms der Erde zu den aufregendsten Erlebnissen dieser Reise. Auf 233 Metern ueber Glasplatten zu laufen bzw. zu huepfen brachte mich dazu mich zittrig an Saeulen zu klammern und das blosse Zuschauen der 10m entfernten Spruenge der Bungee-Jumper liessen jede Blutzufuhr in meinen Haenden stocken. Im Uebrigen kann man hier auch am Mast hochklettern oder einen nur mit Seil gesicherten Skywalk am aeusseren Ring des Turms riskieren.
Nach 6 Tagen Hongkong haben wir vieles von dieser Stadt gesehen. Zum dem Restmuskelkater bleiben mir vom Beitziurlaub meine unglaublich blond-weissen Augenbraunen und viel zu viel Braeune fur die Asiaten (man koennte mich zur Zeit als Negativ eines Chinesen sehen). Aber mit dem Kauf einer Whiteningcreme und eines Sonnenschirms werde ich mich langsam an die Gepflogenheiten der asiatischen Welt anpassen. ;o)
Die anfaenglichen Probleme, wie die befuerchtete einseitige Ernaehrung durch Mc Donalds (Menue kostet nur 2,50 Euro) hat sich durch das Auffinden von mehr oder weniger versteckten, guenstigen chinesischen Restaurants erledigt. Nur das Essen mit Staebchen stellt immer noch eine Herausforderung da. Als ich heute versuchte wie mein Tischnachbar die Chicken Wings mit den Staebchen zu halten und die Wings abzuknabbern, stiess ich nach dem Zweiten wirklich an meine Hungersgrenzen. Man moege mir den Fingerfood verzeihen.
Allerdings bereute ich diesen selbst bei der darauf folgenden Suppe. Da man auch hier die Zutaten mit Staebchen rauspickt und meine auf Grund der inzwischen fettigen Finger kein Halt fanden, konnte ich weder die Nudeln, das Saitenwuerstchen, die Leberwurst, die Lyoner, das Schweinefleisch, den Eissalat noch das komplette Spiegelei aus der Suppe fischen. Jahaa….lecker.
Beim Essen gehen uebe ich noch, gibt ja auch genug Auswahl, aber das Nachtleben kann sich schonmal sehen lassen. Mit den richtigen Leuten an deiner Seite kann es durch aus amuesant werden und dank der vielen westlichen Touristen und Geschaeftsleuten und kontaktfreudigen Chinesen durchweg unterhaltsam. Vor allem das Erkennen der westlichen Leute untereinander macht die Kontaktaufnahme sehr einfach, mit 3 neuen Kontakten und netten Ich-zeig-Dir-die-Stadt-Angeboten in der Tasche sehe ich dem halben Jahr optimistisch entgegen.
Heute fiel es mir schwer Beitzis und meine abgelaufenen Wege zu gehen und so habe ich die Gegenrichtung eingeschlagen, um in anderen Vierteln neue Restaurants zu finden und vor allem Erinnerungen zu vermeiden.
Morgen werde ich endlich aus meinem 4 qm rundum-befliessten Zimmer in mein 13 qm / 2 Personen- Studentenzimmer ziehen, den erlebnisreichen Urlaub mit Beitzi hinter mir lassen (Haeckchen gemacht an Beitzi ;o)), sehr schoenen Erinnerungen neue folgen lassen und mich in den studentischen Alltag in Hongkong stuerzen.
Bin gespannt und werde berichten.
Liebe Gruesse, Iris
P.S. Weitere Fotos folgen noch.





Das Antworten auf deine Blog-Einträge seit dem letztem Skype-Chat hat sich ja etwas verzögert. Schuld daran hatte aber dieses verdammt Fieber, dass mir den Start ins neue Jahr besonders brutzzelig werden lassen wollte.
Aber durch meine konsequente Nahrungsverweigerung (inkl. massivem Flüssigkeitsverlust durch die Fieber-Attacken) in diesen Tagen hab ich wenigstens mein Vorweihnachtsgewicht wieder. TaaaDaaaa!
Mit den Bilder von Wien dauerts übrigens noch... hab Probleme mit meiner Blog-Soft. Kriegst aber umgehend ne Mail, wenns läuft!
Bis dahin.... bin ja mal auf den nächsten Thai-Roman gespannt!
Gruß
Steffen