Wenn kalte Regentropfen Dir in der warmen Nacht Abkühlung schaffen, die betäubende Karaokemusik den Strand beschallt, das Leitungswasser nach unglaublich alten faulen Eiern riecht und Dein Magen noch immer das Schnitzel verdaut.... dann bist Du auf den Philippinen.
Nun muss ich wohl doch zuerst von meiner 1-wöchigen Auszeit vom Auslandssemester berichten. Hongkong ist zu weit weg von dieser kleinen Insel mitten im pazifischen Ozean, nicht örtlich - aber gefühlt. Der Flug von Hongkong bis Manila dauerte weniger als 2 Stunden. Allerdings suchten wir (1 Französin, 2 Schweden, 1 Ami und 1 Deutscher) das Abenteuer einer einsamen Insel und so flogen wir weiter nach Cebu. Die Chancen standen gut, immerhin bestehen die Philippinen aus 7107 Inseln.
Und so entflohen wir mit jedem Kilometer unserem atemlosen ersten Monat in Hongkong.
Im nächtlichen Cebu City angekommen ging es auch schon weiter nach Bogo. Doch die Taxifahrt bis zum Busterminal wurde unterbrochen von lautstarken Diskussionen über das ausbleibende Anschalten des Taximeters (darauf sollte man auch hier bestehen) und letztendlich dem mehr oder weniger freiwilligen Aussteigen irgendwo auf halben Weg. Letztendlich fanden wir uns 30 Minuten später erfolgreich auf roten Lederbänken des uralten Busses wieder, mit dem Rucksack auf dem Schoß, offenen Holzfenstern, umgeben von Einheimischen und etwas verängstigten Reisebegleitern. Mit dem Anschmeissen des knatternden, uralten Motors und dem feucht schwülen Fahrtwind im Gesicht, dem Zuschauen bunten Treibens und dem Vorbeziehen der nächtlichen Landschaft - spürte ich es wieder: das Gefühl von Abenteuerdrang und Freiheit, das bei mir jedes Mal ein nicht enden wollendes Grinsen verursacht.
Bis zu dem Moment, in dem die Müdigkeit über dich hineinbricht, das Ignorieren der schmerzenden Blase nicht mehr funktioniert und der Rücken keine Lust mehr hat alte Federn des Busses auszugleichen. Doch die vielen Eindrücke und die Lust auf Neues machen vieles erträglicher, hat man die eine Station der Reise erreicht sitzt man auch schon zu dritt eingezwängt, mit dem Gepäck auf dem Dach in einem Trike (hier ähnlich wie TukTuk, nur dass man neben dem Fahrer sitzt). Der Reifen platt, die Kette streikt am ersten Berg, die Reparatur geht schnell, die Ankunft am gespenstisch leeren Hotel endet mit dem Abheben des Vorderrades, Rückwärtsschlittern des Trikes und vergnügten Lachen.
Die Nacht im Hotel war auf Grund der Schwüle und laut ratternden Klimaanlage nur wenig erholsam. Doch der nächste Tag bot genug Entschädigung. Mit dem Rucksack auf dem Rücken spazierten wir in das Zentrum von Bogo. Jedes Mal interessant was sich die Phantasie ausmalt, wenn man nachts ankommt und die Dunkelheit das meiste verschluckt. Doch was der Tag an Details preis gab war deshalb nicht weniger spannend:
Wir liefen über alte Straßen, umsäumt von tropischen Gewächs und einfachen Holzhütten, Kinder schauten strahlend, neugierig in unsere Augen, die Erwachsenen kicherten wenn sie uns sahen, boten hupend ihr Triketaxi an, ignorierten uns in ihrem beschäftigtem Alltag oder beäugten uns kritisch. Das sind die Momente, indem selbst ein spontaner Schnappschuss in die Landschaft gelingt, weil es soviel zu Entdecken gibt.
Im Zentrum angekommen herrschte buntes Treiben. Der Gestank und Lärm der Trikes, die bettelnden Kinder und die klebende Haut erinnerte mich an Iquitos (Peru) und ließ mich Vergessen, dass ich die diesige Mentalität und Gefahren noch nicht kenne. In jedem neuen Land und oft auch in jeder neuen Region heißt es auf ein Neues, dass man die Balance zwischen Vertrauen und Misstrauen finden muss, bis man die Menschen, ihr Verhalten und Bewegungsgrund ihres Handelns einschätzen kann.
Mit Ankunft eines aufgetunten, farbenfrohen Transportmittels (eine Mischung aus Bus, Jeep und Pick-up - siehe Foto), aus dessen Boxen übelstes Technogeschredder dröhnte, setzten wir unsere Reise fort. Gerne wäre ich noch ein bisschen länger in dieser belebten Stadt geblieben, aber das erhoffte einsame Inselleben Malapascuas lockte.
Die 2 stündige - nennen wir es Kleinbusfahrt - bis zum Hafen Mayas brachte mir nicht nur eine Backpfeife eines Palmenwedels ein, sondern zeigte uns auch ein wenig vom typischen Leben in dieser Region. Kleine Dörfer wechselten sich mit Ackerbau und unberührter Landschaft ab, alle paar Kilometer stiegen Einheimische mit ihren stolzen Einkäufen aus der Stadt aus, kichernde und singende Schülerinnen in Schuluniformen ein und Kinder schliefen erschöpft in den Armen ihrer Mütter.
Die Überfahrt nach Malapascua kostete 40 Pesos (70 cent) und wir bekamen dafür das größte Abenteuer des Urlaubs. Eine kleine, völlig überfüllte Nussschale brachte uns 10 cm über der Wasseroberfläche zu unserem eigentlichen Transportmittel: Ein schmales, hölzernes Trimaran welches durch ächzende Bambusstangen gleichgewichtsuchend die Wogen der Wellen zu bezwingen versuchte. Vorahnend haben wir unser Gepäck, mehr oder weniger wasserdicht, verpackt, die Wasserscheuen auch sich selbst, doch trocken kam keiner von uns von Bord.
Die Wellen waren auf Grund des Wetters außerordentlich hoch, höher als erwartet und wir, als naiv-unwissende Touris, durften im Bug Platz nehmen. Die Bootsführer manövrierten uns mit Bambusstangen aus dem obligatorischen Hafen und mit anspringenden Motor war dies der Startschuss für eine Fahrt, die mit jedem Meter in dem wir uns vom sicheren Ufer entfernten dem erhofften Ufer Malapascuas näher brachte. Die Wellen wurden immer höher, doch es gab kein zurück. Was bleibt einem da als ängstliche Gedanken mit einem Kitzeln im Bauch zu vertreiben und freudig zu lachen. Vielleicht liegt es am Adrenalin, vielleicht auch am Vertrauen in traditionelle Transportmittel, aber selbst als sich Wellen wie eine unbezwingbare Wand mit aufschäumender Gischt vor einem auftaten fühlte man nicht, dass es eine reale Gefahr sein könnte. Doch nach jedem bestätigten Erreichen des Gipfels folgte der tiefe Graben den eine Welle, jedes Mal von uns mit einem überraschten Oh und Ah honoriert, mit sich bringt. Wie in einer Achterbahn fiel das Trimaran die Welle hinab, welche es zuvor bezwang, um mit dem Bug in Wasser einzutauchen und dieses warm klatschend auf unsere Körper zu verteilen. Ich glaube es blieb auch mit Taucherbrille kein Auge trocken, wischte man sich nicht die schmerzenden Augen auf Grund des Salzwassers, dann wegen der Tränen. Welch ein Spaß...
Mit dem Näherkommen der Insel glätteten sich die Wogen der Wellen und somit der Adrenalinstöße und fasziniert erblickte man am Horizont strahlend weiße Strände, umsäumt von Palmen und dicht am Meer angrenzende Bungalows. Unser neues Zuhause, vom ersten Eindruck wie erträumt. Auf die nun einsetzende Erleichterung über die Ankunft, folgte das verdiente kühle Bier am Strand und die altbekannte Bungalowsuche. Da wir uns in der Hochsaison befinden mussten wir uns vorerst mit einem einfachen 8 qm/4-Hochbett-Zimmer in einem Bast-Reihenbungalow zufrieden stellen - ohne funktionierenden Ventilator, dafür aber mit einer solch offenen Bauweise (kein Glas in den Fenstern und luftigen Bastboden), dass eine natürliche Belüftung samt Moskitos garantiert ist. Die Ansprüche sind verschieden und so wohnen wir inzwischen in komfortableren Basthütten mit Klimaanlage oder Ventilator.
Dann räume ich nun mal Eure Gedankenwelt wieder ins korrekte Licht: Wenn sich das für Euch nach einem einfachen Leben anhört, dann muss ich Euch enttäuschen (ich wars). Das Einzigste, was hier wirklich das Gefühl gibt fern des Festlands zu sein ist die fehlende Stromversorgung zu bestimmten Zeiten (somit auch keine Bananashakes), das Shutdown des Internets seit 4 Tagen und der regelmässig wiederkehrende Satz: "I´m sorry! No ............. today!". Dem ersten Anblick und Zuordnen der Touristen am Strand folgte ein Verdacht, und spätestens beim Blick in die Speisekarte und einer lautstark artikulierten Bestellung einer Chinesin wurde dieser bestätigt: "I´m waiting for my Weißwurst!".
AAAAH! Ich bin auf einer von Deutschen dominierten Insel mitten im pazifischen Ozean. Und auch wenn Ihr glaubt, dass eine Taucherinsel ein Seafoodparadies ist, liegt falsch. Nach 5 Tagen auf dieser Insel haben wir es bisher nur zu 4 Prawns auf dem Teller geschafft und auch der versprochene Thunfisch ist nur gefroren, wahrscheinlich von Iglo oder bofrost*.
Nun tingeln wir, ähnlich wie in Thailand, von Restaurant zum Strand, vom Strand zum Restaurant, von da zum Strand, unter die Dusche, ins Restaurant, ins Pub, in die Karaokebar, ins Bett . Und richtig aufregend wird es, wenn Unokarten auf den Tisch kommen. Herrje...ist das Leben manchmal anstrengend. So lieben die Franzosen (inzwischen sind 3 hinzu gekommen) nun das Beef mit Pfeffersauce und German Bratkartoffel, die Schweden das panierte Schnitzel und unser Ami aß seine erste Rindsroulade mit Rotkohl.
Kommen wir nun zum Schönen dieser Insel, die letzten Erzählungen sind wohl das, was als bitterer Nachgeschmack als kritischer Mensch bleibt. Das erste was die Sinne kitzelte war der weiße Strand - der wenn die Sonne scheint die Augen blendet, dass (wenn auch auf Grund der Inselgröße) die Einheimischen mit den Touristen zusammen leben und die Kinder keine Scheu zeigen mit den Touristen zu spielen und man so das Gefühl bekommt ein paar Tage ein Teil von ihnen zu sein, die unglaublich vielen Palmen, deren Blätter im Wind die Ohren berieseln, die vielen Pfade die wir liefen, die einem zum noch erhaltenen, ursprünglichen Inselleben mit Viehzucht führten, uns natürlich das kristallklare Wasser, das sich günstig beschnorcheln lässt. Letzteres haben wir gestern für 4 Euro für 3 Stunden, alleine auf einem Boot umgesetzt. Die Philippinen gelten als schöneres Tauchgebiet als Thailand. Doch während uns in Thailand die Fische umschwärmten, waren in den philippinischen Gefilden, genauso wie auf den Tellern, nur wenige Fische anzutreffen. Und wenn man in einen Schwarm geriet, fürchtete man sich davor, dass man sich in diesem Moment nicht alleine über diesen Fund glücklich schätzte, sondern auch einer der typisch langschwänzigen Haie, die hier heimisch sind. So suchte man im Dunkel des Meeres nach hungrigen Schatten und treibenden Wasserschlangen und fragte sich was man in diesen Gewässern eigentlich macht. Doch die Korallenwelt, die großflächiger und bunter als in Thailand ist, und auch die Gänsehaut beim Oberfläche Erkunden eines bombadierten, japanischen Kriegsschiffes aus dem 2. Weltkrieg, ließen die Gefahren vergessen.
Wenn ich nun Thailand und Philippinen vergleiche tue ich mich schwer. Ich sagte mal, dass Strände für mich immer das Gleiche sind. Dies revidiere ich nun. Die Atmosphäre in Thailand war ruhiger, liegt es auch an der nun 9-köpfigen Truppe oder den schnelleren, wenn auch nicht effektiveren Bewegungen der philippinischen Bevölkerung (in Thailand wartete man schon mal bis zu einer Stunde auf ein einfaches Sandwich, hier werden es gut und gerne auch mal zwei). Auch wenn Thailand mit "Das Land des Lächelns" betitelt wird, tatsächlich vorgefunden habe ich es auf den Philippinen, und das sehr viel unbeschwerter. Der Sand ist hier viel heller, die streunenden Hunde bekommen täglich ihre Streicheleinheiten und die Philippinen vermitteln mir bisher noch nicht das Gefühl ihre Kultur oder sich zu verkaufen. Aber Ansätze sind auf dieser Insel dank internationalen Restaurantbesitzern und ersten Sextouristen sichtbar, und ich hoffe, dass sie den Umgang mit dem Tourismus mit mehr Selbstvertrauen meistern als die Thais und sich somit nicht selbst verlieren.
Nun werde ich mich zu meiner thai-schwedisch-philippinischen Massage begeben. Wohl verdient an diesem regnerischen Inseltag. Nach all dem ungemütlichen Strandgeliege und Schnorcheln mit Angst im Nacken spüre ich doch leichte Verspannungen. Und vor unserer Rückfahrt und unseren 1-tägigen Aufenthalt in Cebu City sollte ich zu neuen Kräften finden.
Und somit grüße ich jeden an den ich dachte im letzten Monat - darfst Dich ruhig angesprochen fühlen, habe sicher niemanden ausgelassen.
Die Iris
P.S. Die Massage war die schmerzhafteste Tutor die ich je erlebte und auf der Rückfahrt trieb ein Taifun die Wellen an. Soviel zum Thema Entspannung.
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lass dir gutgehen weiterhin.
aso, tokyo: übermorgen gehts los, bin leider nur 3 tage da. festival - ick hol mir nen preis ab. yeah. deshalb wirds leider schwierig mit kurz mal rüberschwimmen. also dann doch eher irgendwann in berlin, og oder sonstewo...
sodenne grüße von hier nach da! F.