Von den Delikatessen Chinas zu den Sehenswürdigkeiten Pekings.
Auch hier hat man eine bunte Vielfalt, welche teilweise mit einer genauso blutigen Vorgeschichte einhergeht. Ich möchte Euch nicht allzu viel zu dem Gesehenen erzählen, die Fakten kann Wikipedia für mich übernehmen. Ich versuche Euch aber einen Einblick zu geben, wie so ein Ausflug nach Peking aussehen kann:
Am ersten Tag besuchten wir den wunderschönen Sommerpalast. Auch wenn der Tag, mit einem Sandsturm über Peking, alles andere als sommerlich war, vermittelte der 2,9 qkm große Park mit seinen schönen, alten Gebäuden, dem trüben Blick über den See der gepflegten, noch winterlichen Gartenanlage einen guten Eindruck, wie entspannt die Zeit in der früheren kaiserlichen Sommerresidenz aussah. Aber auch das kaiserliche Leben in der bis 1924 für gewöhnliche Bürger "verbotenen Stadt", welche wir am nächsten Tag besuchten, wurde abgesehen der 10 m hohen Mauern, angenehm gestaltet. War doch jeder der 24 Kaiser von bis zu 9000 zwangsverpflichteten Konkubinen und 20000 Eunuchen, mit ihrer Männlichkeit in Tonkrügen, umgeben. Ich frage mich, ob die Bediensteten alle ausgetauscht wurden als die "Drachenkaiserin" Cixi an die Macht kam. Oder beim schwulen Kaiser, von dem in dieser ummauerten Stadt überhaupt nichts geschrieben steht und nur durch mündliche Erzählungen und Carol den Weg zu meinen Ohren fand.
Dabei hatte ich nicht nur Carol sondern auch einen deutschen Führer an der Seite. Mit einem kleinen sprechenden Kasten bewaffnet, samt Lageplan, Kompass und wild blinkenden Lichtern, wurde ich dank Sensoren von einer Sehenswürdigkeit zur nächsten geführt. Leider schafften wir es nicht, das gesamte Gelände der "Forbidden City" zu erkunden und alle Geschichten, welche die Mauern 500 Jahre in sich verbargen, zu lauschen. Denn mein Führer scheiterte an der Größe des riesigen Geländes und der Orientierung, genauso wie letztendlich auch ich. Er erzählte mit gebrochenen Deutsch von großen Steinen, geschichtsträchtigen Bäumen und prunkvollen Gebäuden während ich diese Dinge verzweifelt suchte. Entweder empfingen mich die Sensoren zu früh oder zu spät oder ich versuchte den Sinn im grammatisch verstellten deutschen Sätzen zu finden. Hatte er einen Satz beendet sollte ich auch schon 200 m weiter die nächste Sehenswürdigkeit bestaunen. So stolperte ich durch die Anlage, mehr suchend als verstehend und Carol erzählte jede Geschichte für mich erneut. So hatte ich, als wir erschöpft zur Sperrstunde (ab 16.30 Uhr soll es hinter den Mauern spuken) den Ausgang erreichten, dank ihrer Hilfe dann doch das Gefühl an diesem Tag einiges erfahren zu haben.
Bis vor kurzem konnte ich mir nicht vorstellen jemals in meinem Leben die große Mauer zu sehen und so war der folgende Tag etwas ganz besonderes für mich. Unweit von Peking gelegen schlängelt sie sich durch die Berge. Da wir die Wanderung ohne die Touristenströme genießen wollten haben wir ein teilrestauriertes Stück 120 km entfernt von Peking ausgesucht. Auch auf die Fahrt durch die ursprüngliche chinesische Landschaft habe ich mich sehr gefreut, doch steht man die ersten 1,5 Stunden im Verkehrschaos Pekings und ist die Reststrecke eine holprige Fahrt ohne verständliche Verkehrsregeln, zieht man dann aber doch den tiefen Schlaf vor. Also schlief ich gut und gerne 3 Stunden und kam ausgeruht für die große Wanderung an.
Das Erklimmen der Mauer war meiner Truppe wichtig und so verzichteten wir auf das gemütliche Cable Car. Im Nachhinein war dieser Weg unnötig, betrachtet man die 10 km lange Strecke die vor uns lag. Dafür hatten wir von Anfang an eine Gefolgschaft von 3 Verkäufern an unserer Seite, deren Abschied man mit traurigen Geschichten über ihr Leben und einem Great-Wall-Buch erkaufen musste.
All zu lange blieb einem aber nicht diesen einsamen Moment zu genießen, immer wieder traf man auf Leute die einem Postkarten, Bücher und sogar Bier verkaufen wollten. Und das dann, wenn man sich wirklich ein Bier wünschte, weil man dachte das man einen weiteren Turm nun wirklich nicht mehr ertragen kann. Ein ständiges auf und ab, man erkämpfte sich einen Berg, durchkletterte den Turm und stolperte dann wieder hinab. Man könnte den Trip mit dem Leben vergleichen, mit den Verkäufern als Begleiter aber eher als die längste und hindernisreichste Einkaufsmeile Chinas.
Das erste Stück war restauriert, mit jedem Turm wurde die Mauer ursprünglicher, zerfallener. Ein wirklich faszinierendes Bauwerk aus Stein, Stroh, Holz, Dreck, Sklavenleichen und verdammt vielen Türmen. Nach drei Türmen war die Faszination allerdings auch davon, als ich erfuhr, dass wir nach 1 Stunde noch 32 Türme vor uns hatten und ich vorausschauend nur vier am Horizont erblickte. Doch wie das so ist beim Wandern, nach diesem Tief gleitete ich langsam hinein in eine mechanisches marschieren. Und auch wenn die Strecke wirklich anstrengend war, denn im Gegensatz zum Inkatrail war kein motivierendes Ziel erkennbar, war es doch ein einzigartiges Erlebnis.
Als wir das Ende der Mauerwanderung in der Ferne erblickten, trafen wir auf einen Offizier, welcher uns für die restliche Strecke erneut den gesamten Eintritt abknüpfte weil wir scheinbar in ein neues Gebiet kamen. Natürlich wusste er, dass man am Ende dieser Strecke als nichtwissender Tourist zu müde ist sich groß zu wehren und vor allem umzudrehen. Zerknirscht zahlten wir. Doch 2 Türme weiter kamen wir zu einer bewachten Brücke, für deren Überquerung erneut von einem Mann in Uniform Geld verlangt wurde. Wir reagierten dann schon gereizter auf diese Abzocke, die im Nachhinein tatsächlich von Kleinkriminellen durchgeführt wurde. Aber irgendwie fühlt man sich auch machtlos. Als wir letztendlich am Ziel ein kaltes Bier angeboten bekamen, vergasen wir den Ärger und freuten uns nur noch nach 4 Stunden angekommen zu sein. Vor Glück berauscht nahmen wir das abenteuerliche Angebot an, mit einer uralten Seilbahn surrend, den Berg, über einen Fluss tief hinab zu stürzen. Dieser Spaß und das bestätigte Vertrauen in die uralte chinesische Technik machte den Tag perfekt.
Unser Fahrer wartete am Ziel auf uns und erschöpft und glücklich machten wir uns über das von ihm zwischenzeitlich besorgte Gericht aus Eselfleisch her (sehr lecker). Auf der Rückfahrt wusste ich dann warum ich mich über meinen tiefen Schlaf auf der Hinfahrt glücklich schätzen konnte. Nicht nur, dass unser Auto etwas problematisch im Lenkverhalten war, auch die fehlende Spritzanlage und somit fehlende Sicht machte ein Navigieren in den Kurven schwierig. Dieses hinderte unseren Fahrer aber nicht daran sich als Rennfahrer zu betätigen. Befanden wir uns gerade nicht im Überholmanöver auf dem "Standstreifen", dann eben zu weit links, weil er die Kurve mal wieder nicht kriegte oder glücklich schätzend, wild hupend auf unserer Spur. Das zu wiederholen widerstrebt selbst mir, die im Ängste wegschlafen wirklich gut ist, denn dieser erzwungene Schlaf war zu unruhig um ihn kraftschöpfend zu nennen.
Die erschöpften Füsse wiederum erholten sich am nächsten Tag mit einer Radeltour in Peking. Allesamt vermissen wir in Hongkong nicht nur das Auto fahren, sondern auch die fehlende Möglichkeit auf ein Fahrrad zu springen. Hongkong hat zuviele Hügel und ist für Fahrradfahrer absolut nicht ausgebaut. Peking ist dafür umso besser geeignet, es ist so flach, dass das Fahrrad keinerlei Gangschaltung benötigt und die Fahrradwege sind zeitweise über 10 m breit. Den ganzen Tag radelten wir durch die Stadt, keine wirklichen Regeln beachtend, fahre wenn andere fahren, klingel bis die Klingel abfällt wenn sie nicht fahren, verliere das Pedal bei der Überquerung der 4 spurigen Kreuzung, lass es von hilfsbereiten Chinesen reparieren, mache ein Zwischenstopp beim Starbucks, beobachte den Polizisten wie er unsere Fahrräder woanders hinträgt, schlender durch den Park des Himmelstempels, fühle die Wochendstimmung der Einheimischen beim gemeinschaftlichen öffentlichen Singen und Tanzen, beim Massenaerobic und Gymnastik, springe wieder aufs Fahrrad und finde dich wieder im Ausgehviertel Pekings, wo sich eine Musikkneipe nach der anderen am Ufer eines Sees reiht. Der Tag konnte es durchaus mit dem vorherigen aufnehmen, die Radeltour machte riesigen Spaß und ich könnte mir durchaus vorstellen Fahrradkurier zu werden. Nur so... falls alle Stricke reißen.
Auch wenn wir die Ankunft der olympischen Flamme und den durch Chemikalien blau gefärbten Himmel um ein paar Tage verpasst haben und uns mit recht kühlen Temperaturen und zeitweise trübem Nebel, Smog oder Sandsturm (wir haben uns noch nicht entschieden was es nun war) zufrieden geben mussten, hat Peking wirklich schöne Erinnerungen hinterlassen. Sicher gibt es auch vieles was man kritisch sehen muss. Auf dem Platz des himmlischen Friedens, auf dem Demokratiebewegungen brutal zerschlagen wurden (Name also wirklich passend), wurde man mit seinem "Fassungsvermögen" von 1 Millionen Menschen, dem anwesenden Militär und den vielen Fahnen dann doch erinnert, dass man hier im Zentrum der Politik Chinas ist, welche aktuell von allen Seiten kritisch beäugt wird. Doch die alltägliche Zeremonie, bei welcher die Fahne mit einem Militäraufgebot wieder eingeholt wird, hat mich wenig beeindruckt. Wartend in der Menschenmenge habe ich weder mitbekommen wie für diese Zeremonie die neben mir vorbeiführende 6 spurige, eigentlich vielbefahrene Straße gesperrt wurde, noch das eine große Gruppe an Soldaten an mir zur Parade vorbeizog und letztendlich natürlich auch nicht, dass die Fahne eingeholt wurde und die Soldaten über die Straße hinweg marschierten. Ein Dank an die Frauengespräche. ;o)
Auch wenn Peking den Anschein hat, so vieles von seiner Kultur und somit Sehenswürdigkeiten zu schützen, so liegt dieses Empfinden an der kulturellen Masse. Denn Peking vernichtet seine Geschichte und vieles ist hier einfach nur noch Fake. Schön finde ich zwar, dass man auch auf neuen Einkaufshäusern typische geschwungene Pagodendächer drauf setzt, aber was dieser Wahn, Atmosphäre und Kultur für Touristen und gleichzeitig modernen Komfort zu bieten, hier für Auswirkungen nach sich trägt, ist schon erschreckend. So liefen wir durch ein riesiges Gebiet, welches als das letzte wirklich historische Altstadtviertel in Peking galt, aber nun nur noch Schutt und Asche war. Ihr müsst euch vorstellen das unser mittelalterliches Esslingen einfach mal platt gemacht wird um alles genauso wieder aufzubauen, mit dem Unterschied den nötigen Komfortwünschen der Bewohner und Shopbesitzer nachzukommen. Zwar hatte ich schon vorher darüber gelesen, doch als wir dann ewig über dieses riesige Gebiet voller Ruinen der ehemaligen Hofhäuser liefen, in deren grauen Schutt so viele Zeugen der chinesischen Geschichte (alte Malereien und Verzierungen auf Bruchstücken) zu finden waren, war ich doch sehr erschüttert. In Beijing treffen sich Geschichte und Moderne im Kahlschlag.
Die chinesische Einstellung zur Kultur habe ich auch in der Küstenstadt Dalian im Nordosten Chinas bestätigt bekommen. Mit Carol flog ich noch 3 Tage an diesen beliebten Urlaubsort, bei deren Landung ich mich zuerst stark an deutsche Wohngebiete erinnerte. Carol erfüllte sich somit ein Kindheitstraum, zählt doch diese Stadt als einzigster Ort Chinas in die Global 500-Environment-Liste und soll sooo romantisch sein. Doch für mich bleibt diese Stadt als Stadt der fliegenden Tüten, kalten Temperaturen, als Beweis das China mit dem Geld sich selbst verliert und somit erneuter Denkanstoß in Erinnerung.
Denn auch hier zeigte sich, dass China mal wieder versucht durch neu erbaute Sehenswürdigkeiten Fotomotive zu erschaffen. Tatsächlich wurde alles gemacht um die Touristen zu unterhalten: große Statuen ohne Aussage, eine lange russische Straße als Kulisse ohne Leben dafür mit Matrjoschka- und Kalaschnikowverkauf, Riesenrad, Fernsehturm, alte Straßenbahn, festliche Beleuchtung überall, Windmühle auf dem Felsvorsprung, einer nagelneuen Burg, 50 öffentlichen Plätze mit Skulpturen und Brunnen, mehreren Erlebnisparks und sogar ein jährliches großes Bierfest. Tatsächlich würde es mich auch nicht wundern, wenn sie ihre Burg neben den Hochhäusern auf Grund des Alters, der Perfektheit und des Komforts schöner finden als unsere. Das wohl interessante Hafengebiet ist auf Grund des Militärstützpunkts für Chinesen scheinbar auch eine Urlaubsattraktion, für mich unter Androhung von Strafe strengstens verboten.
Und so blieb uns am letzten Tag das Shoppen. Ich wunderte mich schon, wo sich die jungen Leute aus Dalian so rumtreiben. In China widmen sie ihr Hauptinteresse wie in Deutschland dem Konsumrausch. Doch die Straßen waren leer.
Das nicht die Kälte der Grund war, musste ich erfahren als wir einen Eingang betraten welcher uns tief unter Dalian führte und uns eine mehrstöckige Untergrundwelt mit massig kleinen Läden eröffnete.
Nun ja, wenn man die Baustelle des riesigen wandähnlichen Hochhauses (siehe Bilder) betrachtet, muss man sich nicht wundern, dass die jungen Leute diese Atmosphäre vorziehen.
Bis auf das Zentrum, kam mir der Ort allerdings wie ein aufgezwungenes, inszeniertes Urlaubsgefühl vor und so war Dalian eher enttäuschend, auch wenn ich den Ausflug als Erfahrung, zwischenmenschlich, kulinarisch (Danke geht mal wieder an Carol), als hier tatsächlich blond-westlicher Alien auf dem unendlichen Weg China zu verstehen, absolut nicht missen wollte. Nunja, was soll auch dabei herauskommen wenn Russen, Japaner und Chinesen getrennt jeweils an der Stadtplanung rumwurschteln.
Kaum zurück in den Student Halls, wurde ich auch gleich mit einem Geschenk Carols verwöhnt, eine Tüte mit 6 herausgerissenen, frisch gekochten Entenzungen, samt abstehenden Muskeln und einem wirklich übel riechenden Aroma. Obwohl ich sie, kurz angetestet, zielstrebig in den Kühlschrank beförderte, träumte ich in der darauf folgenden Nacht auch gleich von einer menschlichen, losen Zunge, welche ich festklammerte in meinen Händen um sie riechen zu können bevor sie mir unverständlicher Weise, ich wild protestierend, von Polizeibeamten aus den Händen gerissen wurde. Aus der Trauer heraus, erwachte ich bittere Tränen weinend aus diesem unruhigen Schlaf.
Na wenn mein Unterbewusstsein sonst nichts zu verarbeiten habe - gehts mir wohl gut.
Und so grüße ich Euch frohen Mutes, Iris
- Praktisches Campusleben
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- Hongkong ist nicht China -Auf nach Beijing Teil II
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- Philippinen: "Same Same" - aber in deutsch




