10 Tage reality observer

August 31, 2008 - Bangkok, Thailand

MY ENTRANCE TO MY MIND IS ABOVE THE UPPER LIP AND BELOW MY NOSE

Als ich aus Südamerika kam spürte ich, was diese Reise mir fürs Leben mitgegeben hat. Materielle Werte verloren an Bedeutung, die Lebensfreude welche in den Augen der peruanischen Bevölkerung zu sehen war, die Atmosphäre in diesem Land, es wurde mir vorgelebt, dass man auch mit den Schattenseiten des Lebens glücklich sein kann und dieses Empfinden letztendlich an einem selbst liegt. Und Asien?
Bisher habe ich vor allem meine Fähigkeiten erweitert: ich kann routiniert mit Stäbchen essen, ich esse alles ohne Würgegefühl: Frösche, Tauben, Entenblut, Schnecken mit Baby,... (Ausnahme ist die Hongkonger Spezialität Stinketofu, das schmeckt nämlich so:

Stinketofu und der genötigte Simon 2

Stinketofu und der genötigte Simon 1



Ich reiße Muscheln auf und schlürfe ihren Inhalt, ich knabber die mageren Hühnerfusse ab und rasiere mit den Zähnen das Fleisch vom Fischskelett, ich spucke die abgelutschten Knochenreste wieder aus und spucke sie auf den Tisch oder unter, ich schmatze und toleriere alle anderen Körpergeräusche meiner Nebensitzer. Ich kann in Schicksalsvertrauen blindlinks eine verkehrsreiche Straße überqueren, singe wenn notwendig Karaoke, komme sowohl mit Menschenmassen klar als auch mit den Individuen und ihren kulturbedingten Ansprüchen. Sicher können mir die Asiaten noch beibringen wie man seine Meinung diskret zurückhält und unfallfrei Motorroller fährt. Aber wie kann ihre Lebensweise mein Leben ernsthaft beeinflussen?

Ich mag ihre Werte nicht, sie sind alle auf dem Weg von arm zu neureich und verlieren dabei jede ehrliche Verbindung zur Natur, zum Anstand, zu inneren Werten, zu ihren Mitmenschen und letztendlich zu sich selbst. Willkommen in der Konsumwelt.
Asien ist anstrengend, es ist laut, chaotisch und fremd. Wenn man nicht gerade in Thailand strandurlaubt, läuft man ständig Gefahr überfahren zu werden, auf Grund der Straßenqualität eh schon im Straßengraben zu liegen, als potenzielle Geldquelle angequatscht und letztendlich übers Ohr gehauen zu werden. Als ich mit einem Mädchen über ihre bisherige Reise sprach meinte sie: Sie war ein Jahr in Australien und Neuseeland, alles war so einfach, wunderschön und Europa so ähnlich, nie hatte sie den Wunsch heim zu gehen. Nach einem Monat Asien ist sie froh die Halbzeit erreicht zu haben, es ist einfach zu anders für die erhoffte Entspannung. (Ich muss dazusagen, dass die Eindrücke extrem vom bereisten Land abhängig ist).

Doch wie finden die Asiaten selbst zu Lebensqualität? Wie ertragen sie den ständigen Lärm, die Hektik und den Stress, welche die Masse verursacht. Durch lethargische Blicke aus ihrem 10 qm Laden, in dem sie zu fünfzehnt arbeiten und sich gegenseitig die Hautunreinheiten entfernen. So machen es die Einen, die Anderen liegen den ganzen Tag halbdösend aber lauernd auf ihre Motorradtaxis und dann gibt noch, natürlich - die Meditation.

Das Erlernen der inneren Ruhe sollte das Gut werden, was ich aus Asien in mein Leben im Westen mit heim nehmen wollte, doch dafür hieß es 10 Tage Isolation, 9 Tage Schweigen, 10 Stunden täglich Mediation, 10 Tage die Dinge sehen wie sie wirklich sind und das Erste was ich sah waren eine Menge Regeln:

1. kein lebendes Wesen zu töten (das heißt 10 Tage vegetarische Kost)
2. nicht zu stehlen
3. sich jeglicher sexueller Aktivitäten zu enthalten
4. nicht zu lügen
5. keine Rauschmittel irgendwelcher Art (einschl. Tabak und Alkohol) zu sich zu nehmen.

Von erfahrenen Schülern wird erwartet, da sie drei zusätzliche Regeln beachten:

 6. keine Nahrung nach 12 Uhr mittags zu sich zu nehmen;
 7. auf sinnliche Vergnügungen und Körperschmückungen zu verzichten;
 8. nicht in übertrieben weichen oder luxuriösen Betten zu schlafen.

Der Stundenplan war straff und verlangte eine Menge Disziplin oder zumindest Optimismus. Und das als absolut unspiritueller Mensch. Doch wurde diese Art der Meditationslehre schon mit großen Erfolg in überfüllten Gefängnissen durchgeführt, und ich nehme nicht an, dass deren Bewohner besonders diszipliniert oder gar spirituell sind.

4:00 Gong - Aufstehen

4:30-6:30 a.m. Meditation in der Halle oder im eigenen Zimmer

6:30-8:00 a.m. Frühstückspause

8:00-9:00 a.m. GRUPPENMEDITATION IN DER HALLE

9:00-11:00 a.m. Meditation in der Halle oder im eigenen Zimmer

11:00-12:00 Mittagessen

12:00-1:00 p.m. Ruhepause und Gelegenheit zum Interview mit dem Lehrer

1:00-2:30 p.m. Meditation in der Halle oder im eigenen Zimmer

2:30-3:30 p.m. GRUPPENMEDITATION IN DER HALLE

3:30-5:00 p.m. Meditation in der Halle oder im eigenen Zimmer

5:00-6:00 p.m. Teepause

6:00-7:00 p.m. GRUPPENMEDITATION IN DER HALLE

7:00-8:15 p.m. Vortrag des Lehrers in der Halle

8:15-9:00 p.m. GRUPPENMEDITATION IN DER HALLE

9:00-9:30 p.m. Zeit für Fragen in der Halle

9:30 p.m. Nachtruhe - Licht aus


Vorweg - die Isolation bedeutete zwar 9 Tage kein Reden und kein noch so flüchtiger Blick - aber die eigentliche Schwierigkeit ist die Meditation - und das nicht töten.

DAY ZERO († Moskito)

Mit dem Bus voller thailändischer Leidensgenossen (m/w) und immerhin 9 Wessis jeden Alters fuhren wir vom touristendurchströmten Bangkok in Thailands bergigen Westen. Die Unterkunft war besser als die Vergangenen der letzten 9 Monate. Ich hatte mein eigenes Zimmer, mit eigenem Bad und mittags sogar lauwarmes Wasser. Beim Einchecken hieß es erstmal abgeben: Geld, Schmuck, Handy, Laptop, Bücher, Kulis. Doch noch blieb uns das Gespräch. Und das nutzten wir bis zur letzten Minute ausgiebig, als ob ein Vorquasseln die Zeit in der völligen Isolation erleichtern würde. Ein letzter gemeinsamer Spaziergang - Klatsch - ein großer Blutfleck und die Gebeine des getöten Moskitos auf meinem Arm erinnerten mich an Regel Nr. 1 deren Einhaltung ich keine 10 Minuten vorher unterschrieben hatte. Ja, es wird nicht einfach. Die Nervösität stieg bei allen fühlbar an und dann hieß es nach dem Abendessen Kontaktlinsen raus (ich dachte blind erleichtert das Ignorieren etwas) und 9 Tage schweigen. 


DAY ONE († Hausschnecke)

Verschlafen. Um 5 Uhr erwachte ich dank indischen Gesang in meinem Zimmer und dem schlechten Gewissen welches sich in meine Träume mogelte. Die Alarmglocke war eindeutig zu leise und so meditierte ich bis zum Frühstück sitzend im Halbschlaf im Bett. Das erste schweigende Frühstück endete dank scharfem Reisbrei und dem Unterdrücken jeglicher Ausrufe, der Ablenkung auf die verbliebenen Geräusche - das Klappern der 40 Löffel auf Blechtellern - in einer Panikattacke. Doch zum Glück gab es die heutige Aufgabe: Fühle den "Entrance of your nose" - Atme ein, atme aus und fühle deine Nasenlöcher. Eine vergebliche Aufgabe, die Konzentration auf den Atem ist gewöhnlich mein Einschlafmittel wenn es mal nicht gleich klappt. Ich kann mich nicht erinnern wann ich das letztes Mal soviel geschlafen habe und mir eine Stunde so kurz vorkam. 
Dafür wurde ich in den Pausen um so aktiver, es ist interessant wie sehr man doch Ziele benötigt. An Tag 3 beschloss ich allerdings das sechs mal Zähne putzen und drei Duschen am Tag nun wirklich nicht gesund sein können und stellte meinen Arbeitsplan wieder ein. Täglich gab es zum Abschluss des Tages einen einstündigen Videovortrag eines humorvollen Inders, der die Methode und die Aufgabe des nächsten Tages in schlechtester Bollywoodqualität präsentierte. Nach einer letzten Meditation war der erste Tag vollbracht und wäre eigentlich ganz ordentlich gewesen, wäre nicht in der Stille auf dem Weg ins Bett ein Knacken unter meinen Flip Flops eindeutig als Schnecke identifizierbar gewesen. Kann alles nur besser werden.


DAY TWO († nie gesehen)

Nachdem ich stolz um 4.30 Uhr auf meinem 1qm großen Stoffkissen in der Mediationshalle Platz genommen hatte, trainierte ich weiterhin meine Nackenmuskeln im Sitzschlaf. Doch über den Tag wurde ich immer aktiver. Schließlich bin ich ja nicht krank, dachte ich mir und lief auf dem stufigen Weg unseres 50 qm Vorhofes meine Runden. Ich genoss die Aussicht auf die Berge, das angenehme Klima, spürte Heimweh als ich die frische sommerliche Albluft einatmete und schwupp...eine Mücke. Schön dass ich das Vermissen dieser Mücke mit meiner heutigen Aufgabe verbinden konnte: "Spüre beim Atmen die Innenseite deiner Nase". So war auch dieser Tag nicht vom Erfolg gezeichnet. Es wurde Zeit für ein Gespräch mit unserer Lehrerin. Tatsächlich brachte es meinen Optimismus wieder zurück und auch musste ich die Wirkung des Atmens bestätigen: atmet man konzentriert kann man weder der Vergangenheit noch der Zukunft seine Gedanken widmen. Man ist konzentriert in der Gegenwart - bis der Schlaf auch diese dem Bewusstsein entreißt.


DAY THREE († Ameise # 3 548 562 - # 3 548 596)

An diesem Tag wechselte ich von Tiefschlaf in eine Rastlosigkeit. Ich war hellwach, 1000 Gedanken. Und ich sprach. Ja, ich sprach und hörte nicht mehr auf. Spätestens an diesem Tag wurde mir klar, dass ich nie in meinem Leben alleine sein werde: "Hallo Blümchen - Na.... Du schöner Schmetterling?" - HILFE, kann mal jemand meinen Kopf abstellen. Ich verzweifelte an den endlosen Gedanken. Ich konnte mich kaum konzentrieren, ich war zappelig und forderte mich ständig zur Disziplin auf, denn die Aufgabe hieß: "Suche die gesamte Nasenregion nach Empfindungen ab, beobachte diese und ignoriere alles außerhalb". So versuchte ich 10 Stunden auf jegliches Jucken keine Reaktion folgen zu lassen und neutral zu beobachten. Es war eindeutig der Tag mit den meisten Moskitostichen. Und den meisten Toten. Aufgabesuchend und energiegeladen habe ich beim Aufstellen eines umgefallenen Wäscheständers eine Ameisenstraße vernichtet. Wer hätte gedacht, das Nichttöten so schwer sein kann. Und Nichtdenken. Ich bin mir sicher man kann sich an Hand seiner Gedanken das Ohr selbst blutig quatschen, Tag drei endete zumindest in einem selbstverursachten Kopfschmerz. 

DAY FOUR 

Die Aufgabe heute: Beobachte neutral das kleine Feld über der Lippe, unterhalb der Nase. Ignoriere den Rest. 
Ich muss zugeben, ein zäher Tag, die Aufgabe mühselig und das begierige Lauschen nach dem Essensroller eine effektivere Aufgabe. Nachmittags zerquetsche ich schier einen Gottesanbeter mit der Schiebetür und ich überlege mir ob diese in Thailand wohl Buddhist heißen. Aber letztendlich habe ich einen erfolgreichen Tag, keine Toten und kein Tiefschlaf, die Meditation verhalf mir erfolgreich zu Rückenschmerzen, aber auch, diese wieder aus der Gedankenwelt zu verbannen und meine Nebensitzerin schob mir heimlich einen Deckel zu. 
Wie sehr solche Kontakte und Nettigkeiten doch gut tun. Mein Tisch hatte sich angwöhnt, dass der erste die Stühle an alle verteilt und es hob jedes Mal die Laune dies festzustellen und selbst diese Höflichkeit zu vollbringen. Aber meine Laune war eh sehr gut an diesem Tag. Ab dem vierten Tag soll es besser werden und tatsächlich lebte ich auf Grund meiner Erinnerungen an mein Leben so sehr auf, dass es manchmal schwer war ein Lachen zu vertuschen und noch viel schwerer, die fröhlichen Gedanken daran zu hindern über die Atemzüge hüpfen, welche mir eigentlich zur Konzentration behelfen sollten. Ich vermute ich habe an diesem Tag jeden Hansel in meinem Leben wieder gesehen und es war ein schöner Tag. Und eine intensive Erkenntnis.

DAY FIVE († Buddhist)

Dieser Tag begann mit einem unglaublichen Schmerz im Ohr - die Alarmglocke. Die Annahme, dass sie diese um 100 Dezibel angehoben haben, widerlegte ich bald darauf selbst. Einfach alles war zur Schmerzgrenze hin laut, jedes Tier im Wald, Schritte 20 m entfernt, das Atmen der Anderen (aha - die schlafen also auch) und besonders grausam der 30 minütige indische Gesang am Ende der morgendlichen Zeremonie. Ich glaubte verrückt zu werden bei den kleinsten Geräuschen, ich hatte das Gefühl die Schnecke in meinem Ohr schwingen zu fühlen und fürchtete somit das scharfe Essen zum Frühstück. Doch der Tofu, denn ich hier in allen Variationen kennenlernte, konnte nicht an Geschmack gewinnen. Es folgte die Erkenntnis: Die Übungen der letzten Tage hatten ihre Aufgabe erfüllt: die Sinne waren scharf.

Ab heute hieß es "Strong Determination", kein Bewegen, gerade sitzen, kein Beinwechsel, keine Ausflüchte. Das und die Vielfalt der unbekannten Geräuschkulisse des Dschungels waren ermüdend . quicken, quaken, rasseln, zwitschern, pfeifen, quietschen (siehe "Video" für das akustische Geräuscherlebnis bei Nacht). Es schien auch die anderen zu überfordern und so setzte sich nach dem Essen einer nach dem Anderen vor das Gebäude und starrte auf den Wald (falls ihr die Szene am Strand in "Stadt der Engel" kennt...). Drei Leute verließen die Gruppe an diesem Tag, doch die Tage waren unglaublich intensiv und ich war gespannt wohin dies alles führte. Zumindest zum Tod eines Gottesanbeters, welchen ich als freudige Entdeckung empfand, vor allem weil er an diesem Tag so aktiv schien. Bis ich feststellte, dass sein Zucken Reflexe waren und ich beobachtete wie aus einem Tier ein toter Ast wurde. Aber inzwischen habe ich gelernt mit dieser Machtlosigkeit umzugehen, auch wenn es gerade bei diesem Tier besonders bedauerlich war, so bemerkte ich, dass die Leitsätze des Seminars zu wirken schienen: Erlerne die Gelassenheit, denn die Natur ist unbeständig, ein ständiges Kommen und Gehen.


Ich möchte Euch die folgenden fünf Tage nicht näher erklären, ich weiß dass unter Euch ein paar "Grenzgänger und Für alles Offene" dabei sind, welche sich in sowas vielleicht mal gerne ausprobieren möchten. Dieser Erfahrung möchte ich nichts vorweg nehmen. 
Für mich war es die intensivste und interessanteste Zeit, die ich je mit mir selbst hatte. Ich hatte am Ende das Gefühl mich ganz unverfälscht von äußeren Einflüssen wiedergefunden zu haben und war unglaublich motiviert für die Zukunft, aber auch genauso ängstlich vor dem nahenden Seminarende. Die ersten vier Tage waren die Vorbereitung auf die eigentliche Meditation, sollten deine Sinne schärfen und dein Körpergefühl verstärken und alles was danach kam war für mich überraschend und hmmm... Wow. Das Wort "meditieren" wird meines Erachtens viel zu oft missbraucht. Sicher gibt es viele Möglichkeiten sich zu entspannen, sich aus dem Alltag auszuklinken und die Seele baumeln zu lassen. Aber Meditation bedeutet eine Reise in sein Inneres und dieser Blick funktioniert nur wenn man sich dafür Zeit, Ruhe und keinerlei Ablenkung gönnt.

An Tag zehn wurde um 10 Uhr das Sprechen wieder erlaubt. Nach 20 Minuten Gespräch mit den wirklich netten Mädels musste ich herzrasend ins Freie, es ist unglaublich wie man sich an die Isolation gewöhnt und jeder auf seine Weise versuchte damit umzugehen. Während ich mit Blumen sprach, mit Riesenameisen spielte und hausenteignete Schnecken fortan zur Gewissenserleichterung als Nacktschnecken betrachtete, beobachtete ich Andere, welche die Leere ihres Bechers eine halbe Stunde zu Brei schlugen oder Ewigkeiten unseren Hof kantengenau abliefen. Ja, man wird ein wenig verrückt, oder einfach wieder ein unbekümmertes Kind. Aber jeder konnte nach dem Abklingen der Reizüberflutung und dadurch resultierenden Nervosität an Tag zehn über seine Geschichten ungezwungen lachen. Man fühlte sich den Anderen sehr nah, war ein wenig stolz und es gab nichts zu verstecken (kein "ich hab seit Tagen ein Energiestau im Kopf und habe Angst dass er bald platzt" oder ein "meine Backe hört nicht mehr auf zu vibrieren" war peinlich). 

Falls der Effekt dieser zehn Tage trotz Anleitung genauso schwer festzuhalten ist, wie die Erkenntnis aus Peru, welche schon nach 2 Monaten nicht mehr fühlbar war, so brachte es mir doch eins: eine gnadenlose Auszeit, eine vom Leben benötigte Pause nach 9 Monaten Asien, um sein Dasein zu reflektieren, einen Blick in die Zukunft - mit der nötigen Ruhe - denn es gab nichts was ich dafür hätte tun können, außer abzuwarten.

So kam ich nach zehn Tagen gestärkt nach Bangkok zurück und das konnte ich brauchen, denn hier wartete die Entscheidung für meinen auf 2. September gebuchten Heimflug - mitfliegen oder stornieren. Alles war abhängig von einer Antwort im Emaileingang.

Aber dazu für die Nichtleser im Kommentar mehr.


Bhavatu Sabba Mangalam.

Iris

P.S. Ich habe noch ein paar Bilder hochgeladen, sowohl vom Seminar, als auch von den letzten Tagen mit Simon in Thailand. Dieser "Hippieunterkunft" war dank wenig Touristen sehr entspannend. So soll es auch bleiben. Falls ihr also daran Interesse habt, oder an dem Seminar gebe ich euch gerne alle Informationen die ihr braucht (gibt es weltweit und ist kostenlos auf spendenbasis (somit sollen falsche Durchhaltegründe -"na.. jetzt han i scho zahlt" sagt der Schwabe - vermieden werden) .


Pictures

Mein nummerierter Sitzplatz samt Sichtschutz
Tage schlichen ins Land
Handflächengroß (nicht ausprobiert)
Seminarunterkunft
 
 

4 Comments

Iris:
September 1, 2008
Und nu?

Leider haben meine Lebensumstände in letzter Zeit das Antworten auf Emails schwierig gemacht, werde aber, sobald ich wieder einen festen Platz und Ruhe habe, dies nachholen. Das hat allerdings nun zur Folge, dass ich generell aufklären muss, wann ich wieder heim komme und dies leider nicht persönlich.

Ja, ich verpasse ein paar Dreißgerfeiern, den Tag der deutschen Einheit, den Nikolaus und den ersten Advent. Die nächsten drei Monate sind für mich beruflich unverzichtbar - denn ich will in der Umweltbranche meine ersten Schritte wagen. Ich habe mich in ganz Asien beworben, um ein Praktikum in einer meiner gewünschten Unternehmen zu bekommen. Nach einer längeren Geduldsprobe (das Reisen machte kontinuierlichen Kontakt schwierig) habe ich, so denke ich, einen sehr guten Praktikumsplatz gefunden. Ich werde das Team von WWF bei ihren Kampagnen in Marketing und Kommunikation unterstützen. Und zwar an dem Ort, welchen ich auf unseren Reisen als sehr anstrengend empfunden habe (Blog in Vorbereitung) - Hanoi. Vietnam war für Simon und mich das schwierigste, unsympathischste und unattraktivste Reiseland und es scheint so, als ob ich dem Land noch einmal eine Chance geben muss. Wenn es um das Land geht, hätte ich lieber Kambodscha angenommen, doch Hanoi hatte zufällig am Tag vor meiner Bewerbung den Mangel eines Praktikanten intern festgestellt und so bekomme ich nun tatsächlich eine sinnvolle Arbeit, ein verantwortungsvolles Projekt und eine Menge Herausforderungen - so vermute ich. Für mich ein großes Glück, denn in Deutschland den ersten Schritt in die Branche, und dann noch in einer der bekannten großen Unternehmen zu machen, ist nicht einfach und je nach Aufgabe auch nicht unbedingt lohnenswert. Aber hier arbeite ich in Ländern, in denen die Aufklärung über Umweltschutz gerade jetzt, im wirtschaftlichen Aufschwung und Konsumrausch, bitter nötig ist. Noch dazu ist das Leben in Hanoi um einiges günstiger und die Erfahrung in einem Land, politisch gestellt wie China, sicher interessant.

Bisher hatte ich mit dem Team nur per Email Kontakt, dafür aber mit jedem. Ich bin freudig überrascht wie freundlich, professionell und mitdenkend sie wirken, sie scheinen äußerst engagiert und leidenschaftlich in ihrem Beruf und so stehen Sorge und Freude gleich auf. Und auch Hanoi wirkt nicht mehr ganz so abschreckend. Ich habe im Seminar zufällig ein Mädel kennengelernt, welche aus Frankreich kommt, in Vietnam geboren ist und gerade wieder in Hanoi lebt. So hatte sie mir das Angebot gemacht in der ersten Zeit bei ihr zu leben. Da wir darauf folgend in Bangkok ein paar Tage zusammen verbrachten und wir fleißig zum meditieren in den Tempel gegangen sind bin ich jetzt zuversichtlich, dass das mit der Meditation hinhaut und auch, dass ich Hanoi von einer ganz anderen Seite kennenlernen werde als zuvor.

Auch wenn ich mir an so manchen Tagen gewünscht habe heim zu fliegen und somit Asien abzuschließen, fühlt es sich wieder gut an, sich vom Leben leiten zu lassen und Chancen zu ergreifen, welche sich auftun. Nach der Stagnation Offenburg spüre ich wieder das Leben, es rollt wieder, sicher mit Hochs und Tiefs, aber dafür umso intensiver.

So werde ich mit frischgedruckten Arbeitsvisum heute nach Vietnam fliegen, bei Thao Unterschlupf finden, mich am Montag aufs Mototaxi schwingen und eine Privatführung durch das menschenleere Unternehmen kriegen. Dienstag ist Feiertag und die Lücken werden auch hier für ein verlängertes Wochenende genutzt, was einem entspannten Start sehr zu Gute kommt. ;o)

Ich habe im Übrigen seit neustem eine Online-Nummer mit der Vorwahl meines Heimatdorfes, so dass der Preis dem eines gewöhnlichen nationalen Anrufs gleicht. Vielleicht lässt sich ein geregelter Tagesablauf besser mit Anrufe von und nach Deutschland verbinden. Würde mich freuen.

So genießt den Spätsommer, mit allem was dazu gehört, Regen, Sturm, goldener Sonnenschein. Genießt dass es Jahreszeiten gibt, denn die vermisse ich hier unter anderem sehr.

Grüße aus Bangkok, Iris
Simon:
September 5, 2008
"Vietnam war für Simon und mich das schwierigste, unsympathischste und unattraktivste Reiseland (...)"

Ach, du übertreibst. Ein Land, indem man für seine Rucksäcke ein Busticket bezahlen darf, ist doch ganz.. ähm.. passabel :-)

Keine Ahnung ob Maik hier mitliest, doch so weit ich weiß, wollte er auch noch nach Vietnam. Ich wünsche ihm auf diesem Wege viel Spaß dort. Vielleicht macht er ja andere Erfahrungen wie wir.
"Need TukTuk? Hash? Women?"

Hmm.. nochmal 3 Monate. Dann bist ja schon über ein Jahr weg. Eigentlich müsste dich ja dann der Beitzi wieder abholen kommen um die Runde zu kompletieren.

Ich für meinen Teil wünsche dir viel Spaß bei deiner neuen Aufgabe. Mögest du daran wachsen, dich stärken und Bäume, wie Tiere retten (dabei keine Meditationstechniken anwenden, bitte - die scheinen tödlich zu sein) :-)
Simon:
September 5, 2008
Im übrigen.. die Fotos im Blog - das ist Tofu. Sogenannter Stinke-Tofu. Man hat mir gesagt (unbestimmte Person) man müsse dieses kullinarische Produkt kosten.. ich hätte wissen müssen, das dieses Teil so schmeckt wie es riecht und ich dabei aussehe.
Brrr...
Iris:
September 7, 2008
Also ich fand Dein Tofugesicht herrlich.... und ich habe den Stinki auch noch probiert...sollte nicht vergessen werden. Aber ungenießbares Teil.

Vielleicht habe ich im Dezember noch die Möglichkeit Maik und Anja ein wenig mein Hanoi zu zeigen und somit den ersten Eindruck positiv zu gestalten. Tatsächlich ist es etwas anderes, ob Du als potenzielles Opfer durchreist oder eine Expat-Motorrollergang hast, mit der Du durch das nächtliche Hanoi braust.

Da es mit Beitzis Abholen dank Urlaubssperre nichts wird, werde ich von Hong Kong direkt nach München fliegen...ist noch nicht gebucht und mir fängt das Leben hier an zu gefallen, aber ich denke es bleibt beim Dezember. ;o)
Denn ich denke meine Schwester, 2 ehemalige Heimatler und ein paar Ex-OGler (mir ist aufgefallen wieviele eigentlich nach München gezogen sind) werden mir mein Kulturaufprall in D sicher einfacher machen. Und mein erster Sonntagsbraten mit Semmelknödel und vieeeel Soße wird sicher himmlisch und lässt meine asiatische Instantnudelsuppensucht schnell vergessen.

So...jetzt habe ich erstrecht Heimweh (fing schon gestern ein wenig an als ich in einem Independentkino saß und "Auf der anderen Seite" gesehen habe...wobei der Film furchtbar langatmig war).

Nun denn...raus ins Gewühl...und die Zeit hier genießen.
Grüße aus Hanoi, Iris

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