Unterwegs

April 11, 2009 - Christchurch, New Zealand

Am 9. April liegen Kim und ich müde in unserem eigenen (!!!) Van in Fairlie auf der Südinsel Neuseelands rum. Kim schnorchelt mich schon recht erfolgreich an, aber meine Müdigkeit hält sich noch in Grenzen.

Wir sind jetzt schon seit 4 Tagen zusammen unterwegs und genießen die Zeit. Das wir uns vorher drei Monate nicht gesehen haben ist uns nicht mehr anzumerken, alles läuft schon wieder im alten Schema.

Jule: Du heizt durch die Kurven wie n Bekloppter, ich will hier nicht sterben. Fahr langsam.

Kim: IMMER meckerst du an meiner Fahrweise rum, du alte Kackschachtel!

Jule: Morgen fahr ich, soviel steht fest.

Kim: Dann kotze ich bestimmt die ganze Zeit, weil du so langsam fährst!

Jule: Ach, du stinkst einfach nur!

:-D

So oder so ähnlich. Die meiste Zeit mögen wir uns gerne, und genießen die tolle Zeit.

Vom 6. auf den 7. April haben wir in dem Hostel „Oacklands Logde“ genächtigt und da Lennart und den alten Amerikaner Doug getroffen, mit dem Lennart durch die Gegend gereist ist.

Ein schönes Hostel, nette Leute, warme Duschen und „echte“ Toiletten. Etwas was wir erst noch zu schätzend lernen werden.

Zusammen mit Lennart sind wir bei recht trübem Wetter den Mount Eden hoch geklettert. Klingt aufregender als es eigentlich war. Die Aussicht war nicht schlecht, aber auch nicht überragend. Witzig war, dass wir als wir oben angekommen sind, festgestellt haben, dass der Berg ein großes Loch in der Mitte hat. Es sah so ähnlich auch wie ein großer Berg Mehl, in den man ne Kuhle rein drückt, um ein Ei rein zuschlagen (oder so ähnlich ;-) ).

Am Abend des 7. April sind Kim und ich das erste Mal gemeinsam geflogen. Wir haben ungefähr 45 Minuten auf den Bus gewartet der uns zum Flughafen bringen sollte. Das ist in Neuseeland nichts ungewöhnliches. Gott sei dank sehen die Leute am Flughafen das mit dem ein-checken genau so locker, wie die Busfahrer den Fahrplan, sonst hätten wir unseren ersten gemeinsamen Flug wohl verpasst.

Um 7.45 pm sind wir jedoch erfolgreich in die Luft gestiegen und fast ne Stunde später wieder in Wellington gelandet. Dort haben wir vergeblich nach Kaffee gesucht. Langsam schon etwas müde, sind wir nach kurzer Zeit wieder in die Maschine gestiegen und weitergeflogen nach Christchurch. Um 22°° Uhr Abends hat uns ein witziger Engländer, Craig, am Flughafen mit seinem Van abgeholt. Das hat er nicht nur gemacht, weil es ihm Spaß macht, sondern auch weil ich vorher schon mit ihm abgemacht hab, dass ich den Van anschauen, und vielleicht gerne kaufen würde.

Wir sind dann also erstmal mit Sack und Pack in die City gefahren, und weil wir uns im Van so heimisch gefühlt haben und Kim auch mechanisch keine Mängel feststellen konnte, haben wir ihn tatsächlich gekauft. Die Bank hat uns einen kleinen Stirch durch die Rechnung gemacht, und anstatt der gewünschten 2000 Dollar nur 1000 raus gerückt. Dann eben doch nicht ganz kaufen, sondern nur anzahlen. Bei der Weiterfahrt mit dem witzigen Engländer haben wir Christchurch im Dunkeln

kennen gelernt. Ein schöner erster Eindruck!

Da wir Craig jetzt irgendwie sein Dach über dem Kopf halb angekauft haben, haben wir uns auf die suche nach einem neuen Heim für ihn gemacht. Das Wetter war nicht allzu freundlich, die Backpacker Hostels und Jugendherbergen maßlos überrannt und irgendwann war es dann auch schon 1 Uhr Nachts...Die Müdigkeit wurde unaufhaltsam größer, die Geduld schrumpfte dahin. Irgendwie mit gut Glück doch noch n Bett gefunden. Große Erleichterung allerseits!

Craig sicher im Hostel untergebracht, haben Kim und ich uns dann auch den Weg nach einer heimisch aussehenden Straßenlaterne gemacht, die als Nachtplatz dienen sollte.

Gesucht, gefunden.

Schnell noch in der freien Natur erleichtern (wie echte Abenteurer eben) und losgeschlafen.

Das Bett ist kuschliger, als das welches ich in den letzten drei Monaten beschlafen habe. Der Regen hat aufs Dach geprasselt.

Herrlich!

Am nächsten Morgen haben wir das restliche Geld von der Bank abholen können, und es Craig übergeben. (Wir haben im Gegenzug unsere Reisepässe wieder bekommen, das ist ja auch nicht unwichtig.

Wir haben für den gut laufenden Van, (wie gut er wirklich läuft wird an einer anderen Stelle ausführlicher beschrieben) mit Zubehör wie Gaskocher, Bettwäsche, Bettdecken, Geschirr und Besteck, und noch einiges mehr 770 Euro bezahlt. Das war ein guter Kauf. Vor allen Dingen wenn der ersehnte Plan ihn in Auckland teurer zu verkaufen in Erfüllung geht. (Irgendwie muss ein armer VW-Arbeiter (hrm,hrm) und eine wirklich sehr arme „möchte-gern-mal-Studentin-werden“ ja zu Geld kommen.

Jetzt musste das gute neue zu Hause mit Essen, Trinken und anderem wesentlichen Zubehör (Handtücher (wir waren bisher nur im Besitz eines einzigen, sehr kleinen, dass wir uns im Hostel „ausgeliehen“ haben, und wirklich zurück bringen werden!) Und Klopapier!) ausgestattet werden. Auf gings also zum „Warehouse“ (Billigladen der nicht nur Schrott verkauft)

Und danach zum „Pack ´n Save“ Hier gibt’s das Essen billiger, weil man es an der Kasse selber zusammen packt, und das niemand für einen macht.

Völlig beladen und organisiert machen wir uns auf den Weg in die City um nach einer Möglichkeit unsere dreckige Wäsche in saubere zu verwandeln zu suchen. Da die dreckigen Körper auch in saubere verwandelt werden sollen, stellt ein Hostel die ideale Möglichkeit dar beide Vorhaben zu vereinen. Da haben wir doch glatt eins gefunden, so getan, als wenn wir dazu gehören und für die Dusche nichts bezahlt. Für die Wäsche müssen alle bezahlen.

Jetzt ist unser vierter gemeinsamer Tag auch schon wieder fast vorbei (so Kleinkram hält einen doch länger auf, als geplant)und es geht mal wieder in die Koje...

Am 9. April führen wir uns dann endlich die Innenstadt in Christchurch ganz in Ruhe zu Gemüte. Fazit: Wunderschöne Stadt, sehr hübsche alte Gebäude, zu viele Einbahnstraßen, zu wenig Geld im Portemonnaie und einen Zigarettenanzünder der nicht funktioniert. Das der Zigarettenanzünder nicht funktioniert ist in sofern Mist, als dass wir mit einem bereits angeschafften Adapter unsere Handys und den Laptop laden wollten. Kim wüsste sehr wohl wie man herausfindet was kaputt ist, (ich habe meinen Weggefährten nach technischer Begabung, Sexappeal und Dingen die ich hier besser nicht öffentlich darstelle ;-) ausgesucht...) ihm fehlt aber das nötige Werkzeug. Auf der anderen Straßenseite entdecken wir eine Werkstatt, die Mechaniker helfen sofort weiter, und wollen am Ende auch nur 80 Cent für die durchgebrannte Sicherung haben, und sonst nix.

„That´s the kiwi-way of doin it“ sagt der gute Mann mit einem Augenzwinkern. Da hat er wohl Recht.

Wir sind nun endlich fertig in Christchurch und machen uns auf den Weg gen Süden.

Irgendwann im Dunkeln kommen wir in der netten Kleinstadt „Fairlie“ an, und wollen nur noch schlafen.

Als wir am 10. Morgens aufwachen ist unsere Heckscheibe zugefroren und es ist 7°° Uhr früh. Beides Dinge die wir nicht erwartet haben, aber wir nehmen was kommt. Kim steht voller Tatendrang auf uns fährt los, um nach öffentlichen Toiletten zu suchen. Ich liege im Hinterraum und brumme mehr oder weniger zufrieden vor mich hin.

Nachdem wir uns den restlichen Schlaf aus den Augen gewaschen haben, geht’s los Richtung „Lake Pukaki“ an dem wir um 10°° Morgens ziemlich hungrig ankommen.

Der ganze Weg ist für mich noch beeindruckender, als für Kim. Ich habe noch nie in meinem Leben solche Berge gesehen. Riesen große schneebedeckte Berge! Der Lake Pukaki liegt zwischen diesen Bergen und strahlt türkis blau. Ein sehr guter Platz zum Frühstücken. Wir haben eher Lust auf Mittagessen, also schmeißen wir den zwei Flammen Gaskocher an und kochen Kartoffeln und braten Würstchen, dazu einen leckeren Salat. Yummi!

Weiter geht’s Richtung Wanaka. Das liegt nur ungefähr eine Stunde vom berühmt berüchtigten Queenstown, das wir uns aber einfach sparen wollen. In Queenstown gibt es den tiefsten (oder höchsten) Bungeesprung der Welt. Wir wollen Bungee springen, aber erst später, und nicht aus 132m Höhe.

Der „Lindis Pass“ (an dieser Stelle einen besonders herzlichen Gruß zu meiner lieben Patentante Lindi, die sich jetzt besonders geehrt fühlen darf:-) ) führt uns immer dichter an die Southern Alps. Für diesen Weg gibt es keine Worte. Zwischendurch fühlen wir uns die der gute Frode und seine Gefährten in Mordor. Es ist nicht sehr grün, und ziemlich felsig. Auf jeden Fall etwas unheimlich. Aber diese Berge sind sehr beeindruckend. Wanaka ist ziemlich langweilig, also fahren wir gleich weiter. Wir halten an dieser Stelle mal fest, dass wir heute Morgen bei Frost losgefahren sind, in T-shirts am Lake Pukaki gekocht haben, zwischen schneebedeckten Bergen und gerade durch grau-braune (und trotzdem schöne) Felslandschaft fahren.

Das ist alles ziemlich beeindruckend!

Und plötzlich sind wir im Dschungel!

Ihr habt richtig gelesen. Alles um uns herum ist plötzlich grün. Und wie grün! Wir fahren zwischen riesen-großen Bergen hindurch, die mit Bäumen bewachsen sind, die wir nicht mal ansatzweise mit irgendetwas vergleichen können was wir bisher in unserem Leben gesehen haben. Riesige Farne und Palmen, dazwischen Wasserfälle.

Ich kann versuchen das was hier um uns passiert zu beschreiben, aber es macht keinen Sinn. Es gibt keine Worte.

Wir versuchen auf Fotos einzufangen was wir sehen, aber auch das ist nur ein schwacher Versuch.

Da wir irgendwie nicht die Zeit haben alle paar Meter aus dem Van zu steigen und Fotos zu schießen, sind wir überglücklich, dass Heidis Kamera auch bei den wildesten Serpentinen noch scharfe Bilder macht. (danke, danke, danke!!!)

Wenn es sich so anhört, als würden wir die ganze Zeit nur fahren, fahren und fahren, dann ist das teilweise richtig, aber immer zwischendurch steigen wir aus und gucken uns Wasserfälle, Flussbetten und den geliebten Dschungel an.

Wir sind auf den Spuren der Gefährten und glauben ganz fest daran, dass Gandalf und Co genau an den Stellen an denen wir uns befinden reißende Flüsse und vereiste Pässe und Elfen-Wälder durchquert haben.

Heute Abend (es ist schon der 10. April, unglaublich) wollen wir uns am „Lake Moeraki“ schlafen legen. Da passieren unvorhergesehene Dinge. Erstens: Die Sandflies beginnen uns bei lebendigem Leibe aufzufressen. Das sind winzige schwarze Biester, die es durch jede Ritze ins Auto und unter die Klamotten schaffen. Es juckt schlimmer als Mückenstiche und ist einfach nur ätzend. Wir haben uns also spontan dazu entschlossen zu flüchten. Blöder weise steckten wir fest. Richtig fest. Irgendwo im Nirgendwo, und da hier wirklich so wenig Menschen sind, wie man sagt, sah es schlecht aus für uns. Nachdem wir unsere ohnehin schon extrem Profillosen Reifen fast zermetzelt haben, sind wir doch tatsächlich wieder aus dem Matsch herausgekommen, und konnten den Sandflied schließlich doch noch entkommen.

Kruze Zeit später kommen wir am „Lake Paringa“ Da schlafen wir dann auch wirklich.

Als wir am nächsten Morgen aufwachen ist das Wetter etwas trübe, aber das kann der Reiselust keinen Abbruch bereiten. Der „Lake Paringa“ ist einer der vielen Spiegelseen. Auch das Wasser ist

in Neuseeland einfach anders. Klarer, aber sau kalt! Kim und ich überlegen auch die ganze Zeit warum der Himmel so anders aussieht. Heute ist es uns klar geworden. Da wir uns jetzt an der Westküste befinden, haben wir auf der einen Seite Dschungel und Berge, und auf der anderen das Meer. Der Himmel hängt an den Berggipfeln fest UND liegt auf der Meeresoberfläche auf.

Klingt komisch, ist aber so!

Jetzt ist schon Samstag der 11. April und morgen ist Ostern. Wir machen uns auf die suche nach einem Internetanschluss, damit wir diesen wunderbaren Text und auch schon ein paar Fotos online stellen können.

Wenn ihr das hier lest, dann ist es uns gelungen, wenn nicht, dann werdet ihr es wohl nie erfahren ;-)

Wir erleben eine wahnsinnige Zeit hier, und würden jedem Menschen der das hier liest empfehlen nach Flügen zu suchen und rüber zu kommen!

Unsere Begeisterung und wie beeindruckt wir sind kann man nicht beschreiben. Vielleicht gibt dieser Text einen kleinen Einblick in das, was hier gerade so treiben...


Pictures

aaaargh!
touri-foto!
ein loch im berg
hübsch
 
 

4 Comments

Helge:
April 11, 2009
Stark
Biggi:
April 11, 2009
Da kann man echt nur sagen:
Augen auf, Nase auf, Ohren auf und Mund auf (und laut jubeln)- und jede Sekunde genießen - das ist ja unbeschreiblich.
Jule und Kimmi, laßt es Euch gut gehen! Leider müssen wir heute Abend ohne Euch angrillen, aber ich schätze, das macht Euch nicht wirklich was aus...
Allerliebste Frühlingsgrüße bei 24°C von zuhause!
Ronjs:
April 11, 2009
Oh je, Jule, ich bin SOOO neidisch!
Freu mich aber natürlich auch für dich! VIEL SPAß NOCH!
annili:
April 11, 2009
(...ja ich habe es getan...es war sogar mehr als ein brief...es war gefühl undzwar solches zum teilen... ;))

es ist so schön, zu sehen, dass genießen auch gelebt werden kann...
ich drück euch
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