Von Cajamarca aus geht die Reise erstmal Richtung Norden, an Celendín vorbei nach Chachapoyas... naja, was heisst schon vorbei, in diesem Scheisskaff sind wir natuerlich erstmal stecken geblieben... der bus kam ne Stunde zu spaet an, weil Fahrer und Beifahrer auf der Strecke immer mal wieder aussteigen mussten um die Strasse freizuraeumen, die in wirklich miesem Zustand war... mal abgesehen von den steilen Abhaengen, die wir passieren musste, wo ich mich wahrscheinlich im Auto schon ans Lenkrad geklammert haette... und mein Smart ist schon schoen schmal... an Gegenverkehr garnicht zu denken. Der "Fuehrer" meinte, das sei der gute Teil der Strecke, der das ganze Jahr befahren wird... von Celendín nach Chachapoyas hingegen gibts in der Regenzeit, die Eigentlich von Dezember bis Maerz geht, aber schon begonnen hat, keine Busse, weil die Strasse sich in Serpentinen um die Berge zieht und dabei durch Fluesse fuehrt und ueber abrutschgefaehrdete Erdhaufen, die schon Autos mit in die Tiefe reisen. Der Hoehenmesser schwankt dabei zwischen 300 m und 3600 m und die Landschaft schillert in allen Farben, rote Erde, Schiefersteine, gruene Wiesen, gelbe ausgetrocknete Felder, blaue Gebirgsbaeche mit jeder Menge Wasserfaelle und die Wolken ziehen mit dem Auto mit, mal watteweiss und mal als Sturmregen... wir haben uns dann ein Taxi bis nach Leymebamba genommen und unterwegs den Bus ueberholt, so dass wir umsteigen konnten und in Chachapoyas rechtzeitig ankamen... insgesamt nach 17 Stunden fahrt, das muss man sich mal ueberlegen! Schaut euch mal die Distanz auf der Karte an, das sind andere Dimensionen als in Deutschland.
Dort angekommen muss ich erstmal feststellen, dass die geplanten 2 Tage nicht ausreichen, die ich dort verbringen wollte. Der Plan ist, dass der Circulo Turistico Norte in Peru bis 2015 genausogut oder sogar besser ausgebaut und touristisch erschlossen ist wie die Gegend um den Macchu Picchu... denn zu bieten gibts hier jetzt schon mehr Sehenswurdigkeiten als im Sueden! Zuerst gehts zum dritthoechsten Wasserfall der Welt, dem Gocta. 2006 ist wohl ein Deutscher Forscher hier angekommen, hat den Wasserfall gesehen und entschieden, dass das Ding jetzt erstmal vermessen werden muss... 771 m hoch und in zwei Stufen, 200 und 571m! Die Peruaner hingegen hatten sich allerlei mysthisches ausgedacht und Geschichten erfunden von Sirenen die sich auf der Stufe des Wasserfalls baden etc. und fuer sie ist der Wasserfall ein heiliger Ort, daher waren zumindest die Campesinos kaum dort zum Baden... ich glaub ja, das liegt eher daran, dass der Wasserfall 3,5 Stunden steilen Bergwegs von jeglicher Zivilisation entfernt ist und die zu ueberwinden hat mich persoenlich zumindest die letzten Kraefte gekostet. Und dann komme ich da an der Zwischenstufe an, nach 3,5 Stunden Wanderung kurz davor mich zu uebergeben, und das letzte Stueck ist eine rutschige Leiter, irgendwie ins Lehm gehauen waehrend neben mir der untere Teil des Wassers 571 m in die Tiefe faellt... das war echt zu viel fuer mich, mit meiner Hoehenangst und den nicht mehr vorhandenen Kraftreserven konnte ich mich nur noch daneben stellen und haette heulen koennen! waehrend der Rest der Gruppe sich oben schreiend und kreischend in die Fluten stuerzt... die beiden Guides haben mich dann die Treppe hochgeschoben und gezogen, ich meine das kann ja dann auch nicht das Ende gewesen sein, klar, oder? ;o)
Die Wucht des ankommenden Wassers und die Gischt meterweit entfernt macht dann alle Anstrengungen wieder wett und im kleinen See am Fusse des ersten Falls kann man sogar baden.... im 5 Grad kalten Wasser. ;o) klatschnass und gluecklich schaffen wir den Rueckweg in gut 2,5h und feiern im Bauernhof mit jeder Menge lauwarmen Biers. Zwei Oesterreicher aus der Gruppe haben tatsaechlich den gesamten Rueckweg barfuss zurueckgelegt, weil ihre Schuhe nass waren, und da man die Strecke auch haette reiten koennen, gabs zumindest einige kleinere Berge, die angenehm weich waren und wo sie sich die Fuesse aufwaermen konnten ;o) Gruesse an Manfred und Hubert, schade dass ihr bei der naechsten Tour doch nicht dabei wart! Der "Fuehrer" hatte noch jede Menge wertvolle Tipps fuer euch!
(Zur Erklaerung: in schoener Tradition aller meiner Urlaube mit Iris kaufe ich mir stehts zur Orientierung einen Fuehrer, den "Fuehrer", dessen Wort Gesetz ist, der sich nie irrt, in allen Sprachen der Welt als der "Fuehrer" bekannt ist und der immer alles weiss oder zumindest was dazu zu sagen hat! ;o) )
