so isses im Dschungel

August 17, 2007 - Baeza, Ecuador

Am 10.08. mussten wir dann schon um 6 Uhr aus den Federn, um den Bus nach Papallacta zu bekommen. Zum Einsteigen hatte man kaum Zeit, der Bus fuhr schon wieder los, bevor man den zweiten Fuß drinnen hatte. Von dem Fahrstil ganz zu schweigen, der hier so praktiziert wird - als erstes bin ich einer Frau auf den Schoß gefallen, weil ich mich noch nirgends fasthalten konnte. Dann drängten wir uns ein bisschen nach hinten, die Sitzplätze waren alle schon besetzt. Links vor mir saß eine Frau, links daneben ihr Sohn, dazwischen lag die Tochter mit dem Kopf an Mutters Bauch und quer über allen drüber noch das Baby. Kristin und ich setzten uns irgendwann auf den Boden, guckten aus dem Fenster und versuchten, das sich übergebende Mädchen rechts neben mir zu ignorieren. Nach etwa zwei Stunden Fahrt und der Überquerung der Passhöhe auf etwa 4000 Metern Höhe kamen wir in Papallacta an. Von dort ging es dann hinten auf der Pritsche eines Pick-Ups auf ner Holperstraße in rasantem Tempo zu den zwischen Bergen eingebetteten Thermen. Da ja Feiertag war, waren die über 45Grad heißen Thermalbecken leider recht voll, aber angesichts der Außentemperatur von 10 Grad natürlich sehr angenehm...

Tina, Alfonsos Bruder Marcello und seine beiden Kinder kamen auch zu den Thermen und zusammen fuhren wir noch etwa eine Stunde nach Baeza, wo wir einen Ökohof und eine experimentelle Regenwaldaufforstung gezeigt bekamen. Dann ging´s in zwei Pickups zu Marcos Haus im Urwald, was nochmal ca. eine Fahrstunde entfernt lag.

Dort verbrachten wir dann das gesamte Wochenende, wurden mit allen ecuadoriansichen Köstlichkeiten durchgefüttert, wanderten viel, schliefen, spielten Karten, saßen vor dem Feuer. Ein Mädchen, dass bei ihren Großeltern auf einem naheligenden Hof gerade ihre Ferien verbringt, kochte für uns - mir war das sehr unangenehm, weshalb ich ihr half und sie mir mit Händen und Füßen erklärte, was ich tun sollte.

Auch nachts ging es in den Urwald und weil ich als Einzigste keine Taschenlampe hatte, musste ich mich auf die anderen verlassen - links und rechts kamen ständig komsiche Geräusche aus dem Dickicht. Blubbern, Knirschen, Trampeln, Knacksen. Marco und Alfonso wollten uns weiß machen, dass da ein Panther im Gestrüpp sei und meinten es wohl Ernst. Irgendwann setzten wir uns, machten die Lampen aus und Marco verteilte Bier - und ich fühlte mich wie ein deutscher Tourist im Dschungel, was ich ja auch war...
Es war das ganze Wochenende sehr kalt, ab Samstag regnete es dann auch. Und ich kam mir sehr privilegiert vor, ein so luxuriöses Urwaldhaus zu bewohnen und von allen Seiten bedient zu werden. Marco erzählte, dass er 120ha Wald besitzt und dass alle Waldbesitzer in Ecuador vor circa 30 Jahren 20% ihres Baumbestandes abholzen mussten, sonst wurden sie enteignet. Anschließend forstete er seinen Wald wieder auf und mit diesem Holz baute er dann ein großes Haus am Fluß. Die Lage stellte sich dann aber als ungünstig heraus und so baute er ein zweites, in dem wir jetzt wohnten. Das heißt, dass solch ein Haus nicht bedeute, man sei reich, wobei ich die Argumentation nicht recht verstehe.
Wenn er nicht in seinem Urwaldhaus ist, wohnt er mit seiner Familie in einem Haus in Cumbaya. Dorthin wurden wir auch schon mal eingeladen: ein riesiges Haus neben Villen in einem von einem Wächter und Schranke abgegrenzten Stadtteil, kurz nach einer Flut von Einkaufscentren. Der Ort wird von den Einheimischen als Gringo-Landia bezeichnet - mit Gringo ist der reiche Weiße gemeint. Als wir Marco auf das Wohnviertel ansprachen war es ihm peinlich und er erzählte von Zeiten, in den es dort fast noch keine Häuser gab und dass die neu Hinzugezogenen zu ihrer Sicherheit diesen Schrankenmenschen bezahlen und ihm das ebenfalls nicht gefällt.

Aber zurück zum Urwald: entgegen unserer Befürchtungen trafen wir keine Schlange und keine Vogelspinne an und auch nachts auf dem Weg zum Toilettenhaus wurde man weniger ängstlich. Außerdem schlief Marco draußen mit einem kalten Stein als Kopfkissen und hat das bisher auch überlebt... Montag Morgen wurden wir um halb 5 geweckt, vom Nachbarn zurück ins Dorf gebracht und dort erwischten wir knapp den Bus zurück nach Quito - und wir hatten Sitzplätze!

1 Comment

Marco Hadem:
August 26, 2007
Servus Christine,

wie geht es dir denn so? Und seit wann nennst du dich Mümmelfrau? Ist das Philipps Kosename? :=)

Heute ist dein Blitzfoto vom Nürburgring gekommen. Schlappe 10 Euro - LLLLAAAANNNGGGWWWEEEIIILLLIIIGGG!!!!

Werde meine Schwester beauftragen das Geld zu bezahlen und dann ist auch das Geschichte.

Sobald ich die Tage mal wieder Zeit habe werde ich mir mal deinen BLOG, dessen Adresse Philipp mir erst heute mitteilte, in RUhe genießen und kommentieren. Hatte heute nur schon kurz gesehen, dass du da auch nen Marco kennengelernt hast.

Ich sag nur VORSICHT!! - Marcos sind die schlimmsten

Bis denne,

Grüße vom fernen Siegerland

Der Marco ohne Holzhütte im Dschungel und ohne Forellen

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