Wenn man vor dem Club "Aguión" ankommt, fragt man sich die ganzen dunklen Gestalten erblickend zunächst, ob man gerade zu einem Dark Metal oder zu einem Punk-Konzert geht. Dann entdeckt man die Lederjacken- und enge Jeansträger-Fraktion und nimmt noch die Option Bon Jovi Konzert mit auf. Die 5 US$-Eintrittsstation passierend, tritt man nun in den hallenartigen Raum und stellt erstaunt fest, um halb 5 Uhr nachmittags einen recht vollen Club antreffen zu können. Man mustert die 3 Typen auf der Bühne und es entgeht einem nicht, dass sie ihr eigenes Band-Shirt tragen. Kbbhn. Nun überlegt man sich, was es wohl für den, der sich am wenigstens auf der Bühne bewegt, zu gewinnen gibt. Die Jury wird es auf jeden Fall nicht leicht haben. Im Raum umher blickend fällt einem auf, dass niemand (!) ein Bier in der Hand hält. Der Blick bleibt auf einem Plakat haften und die Erklärung springt einen an: Bier 3 US$. Weiter betrachtet man die zufriedenen Gesichter, die sich auf zur Slow-Punk-Musik leicht wippenden Körpern befinden. Als nächstes realisiert man, sich theoretisch recht gut unterhalten zu können und blickt sich verängstigt nach einem Lautstärkeregler um. Dann bedankt sich die Band, und man erschreckt sich an dem sich plötzlich zuziehenden Vorhang.
Nach gar nicht allzu langer Zeit öffnet sich dieser von neuem, und man sieht sich einer schnieken Boygroup namens Tanque gegenüber. Gegelte Haare oder ein Mützchen à la Ben, oder wie auch immer der Jüngling benannt wurde, zieren die Häupter. Misstrauisch blickt man sich um, um sich zu versichern, nicht unter schreienden Teenies zu sein. Dann lässt man sich auf einem Punk-Konzert von plötzlich einsetzender Punk-Musik in Staunen versetzen. Und er ist ganz gut, melidiös und schnell. Man hat sowieso nicht damit gerechnet, etwas vom Text zu verstehen und beschränkt sich auf die restlichen Kriterien. Vor einem fangen die Leute plötzlich an, im Kreis hintereinander her zu laufen und die benachbarten Im-Kreis-Läufer wild durch die Gegend zu schubsen. Man nimmt an, dass es sich um das ecuadorianische Ringelrein-Pogen handeln muss und man sich am Rande des Moshpits befindet. Eineinhalb Stunden vergehen wie im Flug und nach ettlichen Zugaben, die eigentlich gar nicht gefordert wurden, wird man auf die Straße gedrängt. Nun ist es halb 7, gerade dunkel geworden und man steht ein bisschen hilflos zwischen all den zum Kiosk-Strömenden und fragt sich, was man denn eigentlich mit dem angebrochenen Abend vor hat.
- Ihr seid ja verrückt!!
- Besser hätte ich´s auch nicht beschreiben können
- Punk
- Es geht leider auch anders
- Schlamm, Strand, Regen, Meer




