Happy Lucky und ihre dickhäutigen Kolleginnen

March 16, 2010 - Phnom Penh, Cambodia

Bevor man sich ans eigentliche Gericht macht, muss das Öl erhitzt und mehrere Knoblauchzehen dem Öl hinzugefügt werden. Währenddessen kann man das schwarze Ding waschen und es mit Zucker und Salz würzen. Sobald der Knoblauch einen guten Duft abgibt, fügt man das achtbeinige schwarze Gemisch hinzu. Es schmeckt am genussvollsten, wenn die Extremitäten fast gänzlich steif sind und so die Innereinen einer optimalen Konsistenz entsprechen. - Genauso werden die Tarantulas (Vogelspinnen) in diesem Land zubereitet. Endlich fanden wir sie...auf dem Weg zum Projekt. Sie waren an den Marktständen nicht nur im frittierten Zustand zu finden – lebendige wurden auch immer wieder mal an Ristes T-Shirt gesetzt. Keine Panik Mami – ihnen wurden leider die Giftklauen entfernt.

Eingekauft haben wir fast wie die locals an diesem Markt. Mit ein Plastiksäckchen gefüllt mit einer frittierte Vogelspinne, einer Grille und emene grossä Heugümper bestiegen wir dann wieder das Auto, das uns nach Sen Monorom brachte. Die gekauften Delikatessen waren für den Nachtisch nach der Ankunft am Projekt geplant. Die Ameisen scheinen allerdings auch einen ausgeprägten Gourmetsinn entwickelt zu haben und vertilgten Ristes Snack in Windeseile - Vielleicht klappt es ja noch ein anderes Mal.

Das Projekt, in welchem wir die letzten zwei Wochen mitwirkten, wird Elephant Project genannt. Es wurde vor 4 Jahren durch einen jungen Engländer namens Jack in Leben gerufen und ist bis heute in Kambodscha das einzige Projekt, das sich um die Elefanten kümmert. Was der heute 27-jährige Jack in dieser Zeit errichtet und geleistet hat und mit wieviel Herzblut er das Projekt führt und immer ein bisschen weiterentwickelt, ist mehr als eindrücklich. Die ursprüngliche Idee des Projektes war, Arbeitselefanten, vernachlässigte, misshandelte oder verletzte Dickhäuter aufzunehmen und ihnen wieder ein sicheres, Elefantennaheres Leben zu ermöglichen. Mittlerweile geniessen 7 Elefanten Jacks Gastfreundschaft. Leider gehören ihm nur drei davon. Für die anderen vier ist die Zukunft ungewiss, möglicherweise müssen sie wieder zu ihrem Besitzer zurück und die alte Arbeit aufnehmen. Arbeitskräfte die im Projekt gebraucht werden, kommen von den umliegenden Dörfern. So ist Jack für viele Einwohner nicht nur ein Arbeitgeber sondern auch eine wichtige Person in der Entwicklung und Hilfe der Dörfer geworden. Mit den Hilfsgeldern die Jack bekommt unterstützt er neben den Elefanten die Dörfer und ermöglicht den Einwohnern ein besseres Leben (Arbeit, med. Versorgung, Häuser,...). Mit dem Bau einer Schule wird er künftig auch den Kindern den Zugang zur Ausbildung ermöglichen. Der Schulhausbau nähert sich dem Ende. Der Unterricht wird voraussichtlich nach der Regenzeit starten.

Unsere Aufgaben als Freiwilligenarbeiter bestand vor allem darin, sich ums Wohl der Elefanten zu kümmern. Wir begleiteten sie mit Hilfe der Mahouts zu ihren Bade-, Schlamm- und Nahrungsplätzen und versorgten sie abends nochmals mit Wasser ab und zu auch mit Bananen oder Banenenbäumen. Wir kümmterten uns aber auch um die Reinigung des Elefantenreichs, säuberten die Putzstation und befreiten das Flussbeet von umgefallenen Baumstämmen.

Bei unserer Ankunft wurden wir vor 7 Elefanten gestellt. Für uns 7 grosse, imposante Tiere, die alle ungefähr gleich aussahen. Schnell lernten wir die einzenen Tiere mit ihren ganz eigenen Charakterzügen kennen und merkten bald, was es bevorzugt, was es gar nicht mag usw. Nach wenigen Tagen haben auch sie uns akzeptiert und liessen uns entsprechend nahe an sich ran. Es war eindrücklich, mit solch grossen Tieren im Dschungel spazieren zu gehen und nicht selten liessen sie uns schmunzelnd stehen. Happy Lucky ist das Leittier der kleinen Gruppe. Sie ist die Ruhe in Person, besser gesagt im Tier. Buffet, ihre ca. gleichaltrige Schwester, würde gerne die Rolle ihrer grossen Schwester übernehmen und trompetet und brummt ständig etwas herum wenn es ihr nicht passt, was öfters der Fall ist. Genial ist ein wunderschöner, grosser Elefant. Sie muss ständig ihre eifersüchtige Kollegin Easy Rider beruhigen, die ab und zu ihren Rüssel wütend in den Boden stampft (sehr imposant und für uns furchteinflössend). Easy Rider ist auch bekannt dafür, dass sie sekundenschnell Bäume fällt und gerne ihren Kopf durchsetzt. Mylotte ist auf dem rechten Auge blind und ist gerne für sich alleine. Princess, die kleinste von allen, erhält mehr Aufmerksamkeit als die anderen. Nach einer Kollision mit einem Lastwagen hat sie ihr Becken gebrochen und ein Beingelenk ausgekugelt. Sie kann somit nur noch auf 3 Beinen stehen und bewegt sich humpelnd in einem kleinen Umkreis. In diesem Zustand musste sie vor der Ankunft im Projekt übrigens noch lange Baumstämme transportieren. Heute geniesst die Schlemmermeisterin die täglichen Bäder wobei sie mit ihrem Rüssel immer nach Bananen sucht, die sie so sehr liebt. Die Neuzuzügerin heisst Onion (erst seit etwas mehr als einer Woche beim Projekt), sie muss sich erst noch an das neue, freie Leben gewöhnen. Sie fällt duch ihre schöne Farbe auf. Die Begegnungen mit diesen wundervollen Tieren werden wir nie vergessen. Es fiel uns nicht leicht, uns von ihnen zu verabschieden. Wir haben 7 tonnenschwere Freundschaften geknüpft und verliessen wehmütig das Projekt.

Nach den zwei Wochen im Dschungel landeten wir in der Nähe von Kampong Cham in einem Homestay. Die Inhaberin begleitete uns auf die Reisfelder zu den lokalen Leuten und sie hat uns viel über die Zeit Pol Pots berichtet, da sie als Kind selber fürs Regime arbeiten musste. Die Besichtigung der Reisfelder war interessant aber stimmte uns auch nachdenklich. Neben einer kleinen Unterkunft besitzen viele Leute auf dem Land fast nichts. Die Stroh- oder Holzhütten sind ausser einem Bett meist gar nicht möbliert. Strohteppiche dienen als Sitzunterlage oder Schlafmatzratze. Das Tagesziel besteht darin, die Familie mit Essen zu versorgen. Gegessen wird deshalb so ziemlich alles was die Natur erschaffen hat. Jedes Familienmitglied hilft bei der Arbeit mit. Einen 76-jährigen Mann haben wir getroffen, der heute noch täglich auf Palmen klettert und Kokosnüsse erntet. Abseits der grossen Ortschaften ist fliessendes Wasser und Elektrizität keine Selbstverständlichkeit. Hätte man auf dem Land Stromanschluss, können sich viele Familien den Strom gar nicht leisten. Zugang zu medizinischer Versorgung ist aus finanziellen Gründen auch kaum möglich. Die Kindersterberate bei den bis 5jährigen Kinder in abgelegenen Gebieten ist bei 50%. Die Kinder können in diesem Dorf halbtags zur Schule gehen und verbringen die übrige Zeit des Tages mit Arbeiten auf den Feldern. Wer eine Kuh besitzt kann diese im Notfall verkaufen, um mit dem Geld beispielsweise die Kosten in einem Spital zu bezahlen. Man erzählte uns auch, dass viele Leute sich auch weigern in ein Spital zu gehen, denn wenn sie stürben, bedeutet dies nur ein grosser Geldverlust für die ganze Familie.

Diesen Bericht schreiben wir aus Kratie, unserem letzten Halt in Kambodscha bevor wir nach Laos reisen. Heute waren wir das erste Mal auf dem Mekong, wo wir die seltenen Flussdelfine beobachteten, der uns schon in der Trockenzeit riesig vorkommt, nicht vorzustellen welche Wassermengen hier in der Regenzeit fliessen. Obwohl der Monsun andere Probleme mit sich bringt, wird der Regen im ganzen Land sehnlichst erwartet.

Nun können wir uns ein Bild darüber machen, was es heisst, in einem Entwicklungsland zu leben und wie wichtig dass hier Hilfsorganisationen sind. Gerne würden wir dieses freundliche Land wieder einmal besuchen, am liebsten mit einem haufen Hilfsgeldern, ganz viel Medizin und Kinderspielzeug im Rucksack. Ach ja, wir haben einen neuen kulinarischen Favoriten gefunden. Das Essen schmeckt uns vorzüglich. Immer frisch zubereitet, super gewürzt (spicy ist wirklich angenehm spicy und nicht lippenbrennend und tränend spicy) und vielfältig.


Pictures

Frittierte Vogelspinnen
Spinnenphobietherapie
Princess
Aussicht aufs Tal von der Unterkunft
 
 

1 Comment

Sista:
March 29, 2010
Ier sind die BESCHTEEEEEEEEEE :)!
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