Dinge, die es SO in Deutschland nicht gibt

November 9, 2012 - San Luis Potosí, Mexico

In Mexico gibt es fast alles, was es in Deutschland auch gibt und noch mehr. Manche Dinge sind einfach nur ein wenig anders, manchmal ein wenig skurril, aber immer zumindest "interessant". Warum es hier noch mehr gibt als in Deutschland? Na, wo bitte gibt es in Deutschland Regenwald? Oder verborgene Maya-Pyramiden? Oder Azteken-Kultur? Oder ...

In diesem Artikel also werde ich poquito a poco, una vez en cuando (nach und nach, gelegentlich) das ein oder andere notieren, was mir eigenartiges passiert ist. Eigenartig im wörtlichen Sinne, also der mexikanischen Kultur eigen... Das kann etwas zu essen sein, die Art und Weise etwas zu tun oder zum Beispiel das Flirtverhalten einiger Mexikaner...

Fangen wir mit dem Essen an:

Ding 1: Der Mais

Der Mais ist in Mexiko zu Hause. Obwohl im Moment gut 1/3 von dem Mais, der in Mexiko konsumiert wird, aus den Staaten kommt, gibt es hier immernoch eine große Vielfalt an Sorten. Er ist Grundnahrungsmittel, sind doch zum Beispiel die Tortillas (ohne die geht es nicht) oftmals aus Maismehl.

Es gibt Mais auch "pur" an Straßenständen. Dort habe ich ihn 2 mal in zwei verschiedenen Varianten probiert.

Variante 1: Maiskolben am Spieß, gekocht oder gegrillt (ich hatte gegrillt) "mit was drauf", und zwar zunächst eine Schicht Mayonnaise, mit der der Kolben bestrichen wird, wenn man möchte etwas Chili-Sauce und zu guter letzt Streu-Käse. Klingt lecker? Ist es auch. Fett? Ach was, das ist zu vernachlässigen, wenn man erstmal Variante 2 probiert hat.

Variante 2: Maiskörner, gekocht im Becher "mit was drin". Da war zunächst der Boden des Bechers bestrichen mit einer Sauce aus Mayonnaise und ein paar Gewürzen. Dann der Mais in den Becher gekippt, nicht ganz abgetropft. Dann ein Löffel mit Butter in die Seite gesteckt (also zwischen Mais und Becherrand). Dann auf den Mais eine Schicht Mayonnaise und darauf eine Schicht "Crema", eine Art saure Sahne oder Schmand. Chilisauce? Nein, danke. Um dem Ganzen die Krone aufzusetzen, kam noch eine Schicht Käse oben drauf.

Es war etwas fettig, zwischendurch hatte ich unwillentlich einen Löffel Butter mit Sauce pur ohne Mais dazwischen, aber sonst eigentlich ganz lecker.

Ding 2: weiter geht es nach der nächsten Maus.

Ding 2: Das Zuckerrohr

In manchen Gegenden in Mexico, vorallem in den tropischen Gebieten, wird Zuckerrohr angebaut. Das weiß man, davon hat man schohmal gehört und auch Luftbildaufnahmen gesehen, in Reportagen, die von Regenwäldern und deren Abholzung berichten.

Nun habe ich es mir mal von Nahem angesehen und auch erlebt. Wir fuhren mit dem Bus auf einem Feldweg in der Nähe von Tamasopo in der Sierra Madre Oriental, die sich durch die Huasteca zieht, eine Lanschaft im Staat San Luís Potosi. Es regnete und ich dachte über die Bedeutung von Regenwald nach und warum ich nicht vorher auf die Idee gekommen bin, dass es in einem Regenwald regnen könnte (im Spanischen sagt man "selva", das kommt das Wort Regen nicht vor, darauf bezog ich meine Entschuldigung). Aufgrund dieses Denkfehlers, der der Mehrzahl der 30 anderen Personen in diesem Bus auch unterlaufen war, waren wir statt mit Regenjacken mit Plastiksäcken bekleidet. Natürlich hatten wir auch andere Sachen an und der Plastiksack stellte nur die äußerste Schicht da.

Als ich nun in diesem Bus auf dem Feldweg fuhr, bestrachtete ich die Feldfrüchte, die angebaut wurden und überlegte lange, was das sein könnte, (ich hatte nie eine Reportage über Zuckerrohr im speziellen gesehen), als ich einen Gesprächsfetzen mit "caña de azúcar", Zuckerrohr, aufschnappte. So sieht das also aus, dachte ich.

Ein wenig später, nachdem wir zwei Stunden durch den Regenwald gelaufen waren und Pflanzen gesammelt hatten, hielten wir an einem Feld. Ein Mitstudent besorgte sich die Machete von unserem Prof und schnitt Zuckerrohr, indem er erst eine Pflanze fällte, die oberen Blätter entfernte, das Rohr in Stücke hackte und letzendlich die Schale davon entfernte. Er gab mir ein Sück und ich probierte es. Wenn man ein Stück abbeißt, hat man ein Faserbündel im Mund, das sich nach dem Kauen in ein Knäuel verwandelt und man es am besten einfach wieder ausspuckt. So extrahiert man den Zucker aus der Pflanze. Es schmeckt nicht wie Industriezucker, eher etwas weniger süß und noch mit anderen Stoffen vermischt. Ich aß gut 5 Zentimeter, als meine Mitstudenten anfingen über die stopfenden Eigenschaften des Zuckerrohrs zu filosofieren. Sie sprachen von Klumpen im Bauch bei zu viel Verzehr. Daraufhin überlegte ich, ob es ratsam wäre, noch mehr davon zu essen, da mein Magen ja weniger daran gewöhnt war als der mexikanische. So schmiss ich den Rest weg einfach an den Wegesrand, (wir waren ja mitten im Wald) damit sich dort Humus bilden konnte und fruchtbare Erde und mehr Pflanzen wachsen konnten.

Das war meine erstes Mal Zuckerrohr.

Ich könnte an dieser Stelle von einem weiteren ersten mal berichten, meinem ersten mal Regenwald. Dieser Wald ist biodiverser, als jeder andere Wald in Deutschland, und ich glaube auch, dass die Bäume viel größer sind. Die Art von Regenwald, in der wir waren, ist die nördlichste Form, dass heißt, sie ist am kleinsten und am wenigsten biodivers. Deshalb warte ich mit einem Bericht, bis ich im Dezember bei meiner Reise den echten Regenwald im Süden von Mexiko gesehen habe. Ich bin gespannt, wie das ausschaut, da mich dieser Wald hier schon sehr beeindruckt hat. Es gab Riesenfarne und farnenartige Pflanzen, die über 400 Jahre alt sind. Es gab Pflanzen mit dem Namen "malamujer" (schlechte Frau), die man nicht berühren sollte, da sie sowas wie Stiche hinterlassen, die auch Allergien auslösen können (davon musste schonmal jemand ins Krankenhaus). Es gab angriffslustige Ameisen, die sich in Hosen und überalle festsetzten. An manchen Stellen glich unser Ausflug einer Militärübung, da die Wege verschlammt waren und wir hindurch wateten und ständig waren wir mit Stacheldraht-Zäunen konfrontiert,die Gebiete trennten, durch, über oder unter denen wie hindurch mussten. Da sind wir schonmal im Schlamm gerobbt...

Aber man sagte mir, dass ist nichts im Vergleich zum süsdlichen Regenwald, durch den man am besten auch in einer kleineren Gruppe geht. Mal sehen, ich werde berichten.

 

 

 


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Blick vom Turm
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