So lange ist es jetzt her, seit ich mich zum letzten Mal gemeldet habe. Ich bin mittlerweile seit bald einer Woche im Camp und es ist hier echt schwierig den Kontakt mit der Aussenwelt zu halten. 1. kein Handyempfang, 2. ein einziger Computer mit Internetanschluss fuer 30 Leute, 3. ein so volles Tagesprogramm, dass ich praktisch nie Zeit habe, irgendetwas anderes zu tun...toent jetzt nicht gerade so spassig, aber das Camp war soweit wirklich eine gute Erfahrung.
Aber zuerst: ich bin ja von Charleston nochmals nach Boston gefahren und habe dort nochmals einige super Tage erlebt. Ich habe mich mit Tobi getroffen, dem Deutschen, den ich bei meinem ersten Besuch in Boston kennengelernt hatte. Er hat mir einen schoenen Strand gezeigt und wir haben dort ein wenig die Umgebung erkundet. Ansonsten habe ich noch weitere Teile Bostons besucht, habe einige Museen von innen gesehen und habe einfach die Zeit in dieser tollen Stadt genossen. Leider wurde das Wetter gegen Ende meines Aufenthaltes schlecht, aber ich habe mich dann doch noch aufgerafft und den Bus nach Cape Cod genommen. Cape Cod ist eine kleine Halbinsel im Sueden von Boston und wird von den Bostoner v.a. als Ferienresort besucht. Die Insel ist nur ca. 4 Meilen breit, d.h. man kommt schnell von einem Ort zum andern. Die Hauptstadt heisst Provincetown. Ich habe dort also ein Bett in der Jugendherberge in Eastham reserviert und bin mit dem Bus in etwa 3h dorthin gefahren. Die Jugi hat sich dann als kleines Camp herausgestellt mit einem zentralen Haus, das als Kueche, Bad und Dusche dient und kleinen Haeuschen zum Schlafen. Dort habe ich dann 3 Deutsche kennengelernt (die sind ueberall!!!), welche gluecklicherweise mit Auto da waren. Sie erzaehlten mir von ihren Plaenen fuer den naechsten Tag, und zwar Whale Watching. Ich hab natuerlich sofort gefragt, ob ich mitfahren duerfe und so sind wir am naechsten Morgen mit dem Auto nach Provincetown gefahren (was uebrigens ganz an der noerdlichen Spitze von Cape Cod liegt), sind dort auf ein Schiff gehuepft und in den Ozean hinausgetuckert. Ich habe mir etwas mehr vom Walebeobachten erhofft, aber wir haben doch einige riesige Wale, oder bessergesagt deren Ruecken und Flossen gesehen. Es war arschkalt und sehr sehr windig. Zum Glueck bin ich nicht seekrank. Da ich zuvor in Boston im Imaxkino einen Walfilm angeschaut hatte, war ich natuerlich sehr fasziniert, diese Tiere gleich wenige Tage spaeter live zu sehen. Es hat sich auf jeden Fall gelohnt, auch wenn es auf den Fotos nicht so berauschend aussieht!
Nach Cape Cod hiess es dann Sachen packen und ab ins Camp und hier bin ich jetzt also. Nach 7h Zugfahrt nach Baltimore, Maryland, wurde ich eine Stunde zu spaet am Bahnhof abgeholt und weitere 4 Stunden ins Camp gebracht...
Nach einem kurzen Abendessen und Kennenlernen der anderen Counslors hiess es dann gleich als erstes Lifeguardtraining. Und das fuer die naechsten 3 Tage. Hier eine kleine Botschaft an alle Kanti-Schwimmunterricht-Hasser-Freundinnen: Ich bin jetzt also professioneller Lifeguard mit Zertifikat und Lob von der Trainerin!!! Lacht ihr auch so sehr darueber wie ich???
Das Camp erstreckt sich ueber eine ziemlich grosse Flaeche mit hauptsaechlich Wald. Wir haben eine grosse Dining Hall, wo die meisten Aktivitaeten stattfinden und wir haben einen Swimming Pool, indoor Duschen und WCs und ein Staff House mit eben diesem Computer, WC, Kueche, Waschraum und Sofas. Diese Gebaude stehen alle im freien, d.h. nicht im Wald. Aber der Wald grenzt direkt an diese freie Flaeche an und dort befinden sich auch die Schlafgelegenheiten. Diese bestehen jeweils aus einem kleinen Holzhaeuschen fuer die Counselors und 3-4 Teepees, Zelte, Wagen oder auch Haeuschen, wo dann die Kids schlafen. Im Moment sind wir 30 Counselors von ueberall auf der Welt. Das ist echt super und macht total viel Spass. Allerdings beginnt der Tag um 7:45 mit Flagge hissen, dann 8:00 Fruehstueck und ab 9:00 gehen die Aktivitaeten los. Unsere 2 Directors zeigen uns in dieser Woche das ganze Camp, fuehren uns in den Campalltag ein und bereiten uns auf die Arbeit mit den Campers vor. Wir haben etwa 15 Amerikanerinnen als Counselors und 15 International Staff u.a. aus England, Australien, Neuseeland, Finnland, Schweden, Deutschland, Kasachstan, Slovenien, Ukraine, Holland, Mexico etc. Die meisten arbeiten im normalen Leben mit Kindern, sind also Lehrerinnen, Kindergaertnerinnen oder sonstige Erzieherinnnen. Es hat natuerlich fuer mich weniger und mehr sympatische Ladies darunter. Da es ein Pfadfinderinnnen Camp ist, wo nur Maedchen kommen, sind natuerlich auch die Direktorinnen und alle Counselors weiblich (mehr oder weniger, wir haben auch einige Mannsweiber drunter, wenn ihr versteht, was ich meine). Einen Mann haben wir, der ist aber schwul
Ich habe mich schon recht gut (noch nicht ganz) ans Leben in der Natur gewoehnt..
Zu Beginn des Trainings musste sich jeder einen Campnamen ueberlegen, der irgendetwas ueber einen aussagt. Da ich keinen finden konnte, wurde ich von meiner netten amerikanischen Bettnachbarin auf den Namen Cheese getauft. Jetzt nennen mich hier also alle Cheese, was ziemlich laecherlich ist. Ich habe aber Gott sei Dank nicht den allerduemmsten Namen; es gibt z. B. auch noch Mullet, was so viel heisst voe VOKUHILA (Haarschnitt), weil das bei derjenigen am Tag der Namensvergebung auf dem T-Shirt stand.
Am Sonntag kommen dann die ersten Kids, darauf freue ich mich schon sehr, bin aber auch ein wenig aufgeregt, weil dann doch alles ernst wird und mich dann 24h pro Tag in Anspruch nehmen wird. Die Maedchen bleiben dann jeweils ein Woche im Camp und die naechste Woche kommen wieder neue. Die Aktivitaeten variieren dann auch von Woche zu Woche, aber ich hoffe, ich kann mich dann hauptsaechlich im Sportbereich und beim Basteln und Malen einfuegen. Das waer ideal.
Ich hoffe, dass ich oefters die Gelegenheit haben werde, euch auf dem Laufenden zu halten, aber bisher hat sich das als sehr schwierig herausgestellt. Ich versuche aber mein Bestes. Seid mir nicht boese,wenn ich euch eine Woche oder laenger nicht auf eure Mails antoworten kann. Ich habe immer jeweils von Freitagabend bis Sonntagmorgen frei und werde dann mit den anderen Counselors die Zivilisation aufsuchen und hoffentlich in dieser Zeit einige Nachrichten nach Hause schicken koennen.
Bis dahin hoffe ich, geht es euch allen gut und freue mich trotzdem auf viele Nachrichten von euch. Ich vermisse euch alle sehr, je laenger je mehr und versuche mich jetzt dieser nicht ganz einfachen Aufgabe hier im Camp zu stellen und bin jetzt schon dabei zu lernen, mich anzupassen, mich selbst jeden Tag wieder neu zu motivieren und mich ans Leben in der Natur zu gewoehnen. Bisher hats ganz gut geklappt und ir gehts gut.
Ich hoffe, ich kann bald einige Fotos hochladen, dieser Computer ist ziemlich lahm...
Machts gut und I miss you!!!
PS: Mein Schminkzeug hab ich unterdessen ganz weit unten im Koffer und nehm das auch gar nicht mehr hervor...
