THE GIRLS ARE HERE!!!

June 24, 2007

Hallo zusammen,

ich melde mich wieder mal kurz aus Conowingo. Die Stafftrainingswoche ist gut zu Ende gegangen; wir hatten eine letzte sehr interessante Aktivitaet, welche die Counselors einander noch ein wenig naeher bringen sollte. Dafuer kam extra ein Sozialarbeiter, der mit uns einige Uebungen machte, um uns zu zeigen, wie man die Unterschiede, die in einer Gruppe vorkommen koennen, am besten akzeptiert und respektiert. Es waren sehr interessante und intensive Uebungen und viele haben ganz persoenliche Dinge von sich selbst preisgegeben. Wir sassen alle in einem Kreis und eine Anfangsuebung war z.B., dass alle diejenigen aufstehen sollen, welche christlich erzogen wurden. Die anderen applaudierten dann jeweils fuer alle, die aufstanden. Das ging dann immer so weiter und die Fragen wurden immer persoenlicher und jeder konnte so viel von sich preisgeben, wie er wollte. Die meisten waren ziemlich offen, was die Uebung natuerlich intensivierte. Ich war erstaunt, was einige von uns als Kinder und Jugendliche schon alles durchmachen mussten; von Misshandlung ueber Depressionen bis Essstoerungen war alles dabei...
Soweit geht es mir aber sehr gut und jetzt ist schon die erste Woche Camp von 8 vorueber. Jede Woche bietet das Camp verschiedene Themenwochen an fuer verschiedene Altersgruppen. Es gibt die 6-8 jaehrigen, 9-11, 11-13 und 13-17. Die Themen fuer diese Woche waren Teddy and Me fuer die Kleinen, Adventure und Entspannungswoche fuer die "Mittelalten" und High Ropes fuer die Teenies. Letzte Woche konnten die Counselors waehlen, bei welchem Thema sie am liebsten arbeiten moechten und wurden dann da eingeteilt. Ich war mit den 9-11 jaehrigen in der Entspannungswoche, wo wir viel bastelten, schwammen und v.a. Yoga machten:) Deshalb wollte ich auch unbedingt da mitmachen. In unserer Unit waren wir 5 Counselors und 22 Kinder. Am Sonntag sind die Kids um die Mittagszeit angekommen und wurden dann zu uns Counselors eingeteilt. Wir haben sie nach dem Mittagessen zu ihren Unterkuenften gebracht und dann ging das Programm auch schon los. Wir haben Spiele gespielt, gesungen, gebastelt, im Pool gespielt usw. Fuer jeden Tag gibt es eine Art Stundenplan, auf dem steht, wann wir die Kinder wohin bringen muessen. D.h. wir bringen sie dann immer jeweils zum Basteln, zum Nature Center, zum Pool und dann haben wir noch 1h Unit Time, in welcher wir als Unit (d.h. wir 5 Counselors und unsere 22 Kinder) in unseren Unterkuenften mit den Kindern machen, was immer wir wollen, und dann sind natuerlich noch die Essenszeiten, wo das ganze Camp gemeinsam in der Dining Hall zusammenkommt.
Montag verlief ganz gut, alles mehr oder weniger nach Plan und alle haben sich wohlgefuehlt. Doch dann kam Dienstag.....:)
Dienstagabend war Campfireabend, d.h. jede Unit musste ein Feuer machen und dort das abendessen. Das ging ja soweit noch gut, doch dann kam ein Gewitter auf und wir mussten das Essen abbrechen. Natuerlich hatten praktisch alle unsere Maedchen Horror vor Gewittern und wir mussten alle beruhigen und ihnen versichern, dass nichts Schlimmes passieren wird und dass wir nicht evakuiert werden muessen (!)...Alle Kinder sollten dann in ihren Cabins (das sind die Huettchen) bleiben und warten, bis der Regen vorueber ist. Doch schlussendlich brach eine riesen Hysterie aus und die Maedchen konnten sich nicht mehr beruhigen. Fast alle brachen in Traenen aus und wollten nach Hause gehen. "I want my moooomy!". "I wanna go hooooome!" war so das einzige, was wir an diesem Abend zu hoeren bekamen. Wir versuchten sie dann mit Spielen und Singen zu beruhigen und schon etwa 1h spaeter waren alle wieder gluecklich und konnten schlafen. Was wir von den anderen Units gehoert hatten war nicht viel besser.. Es ging schon ab dem 1. Tag irgendein Virus um und in einigen Units waren die Counselors die ganze Nacht wach weil die Haelfte der Kinder Magenverstimmungen und Erbrechen hatten. Bei uns waren diese Woche zum Glueck nur 2 Kotzfaelle und sonst einige Heimwehfaelle, ein aufgeschuerftes Knie, Kopfweh und Bauchweh. Wir habe allerdings eine Krankenschwester hier im Camp, falls etwas Ernstes passieren wuerde. Die Counselors, die fuer die ganz kleinen Maedchen eingeteilt waren, waren auch die halbe Nacht wach, aber nicht wegen erbrechenden Kindern sondern wegen Bettnaessern:D!! Die hatten einige sehr lustige Geschichten zu erzaehlen!
Abends bekommen einige einfach Heimweh und wollen nach Hause, aber die Directors haben uns darauf vorbereitet und wir wissen, wie wir damit umgehen muessen. Trotzdem war es eine Herausforderung fuer mich, ein Kind auf Englisch zu troesten und zu ueberzeugen, dass es lieber im Camp bleiben moechte als nach Hause zu gehen!! Aber es hat soweit gut funktioniert.
Ok, das war der eine groessere Vorfall am Dienstag und ich rede hier von den Kindern ok? Der andere Vorfall betrifft die Frauen, also meine Mit-Counselors und die haben sich muehsamer aufgefuehrt als die Kinder!! Zu viele Frauen auf einem Haufen kann einfach nicht funktionieren. Nie! Wir sind also 5 Counselors in unserer Unit und davon sind 2 die Unitleaders, haben somit eine groessere Verantwortung fuer die Gruppe. In meiner Gruppe waren das eine Englaenderin und eine Jamaicanerin. Nun hatten wir aber noch eine Amerikanerin bei uns, die schon letztes Jahr Counselor war hier in Conowingo und davor als Kind selbst in diesem Camp war. Daher wusste sie nunmal ueber vieles Bescheid und konnte uns Auslaendern bei Vielem weiterhelfen und uns ueber die Struktur des Camps aufklaeren. Jetzt fuehlte sich aber die Englaenderin in ihrer Fuehrungsposition unterdrueckt (hier rolle ich zum ersten Mal genervt mit den Augen) und eine Krisensitzung stand auf dem Programm. Aber nein, die Ladies (v.a. die Englaenderin) konnten nicht vernuenftig diskutieren und die Unterhaltung endete in Rumgezicke und Traenen. Echt, wie im Kindergarten! Zum Glueck war ich nicht persoenlich involviert und hielt deshalb meine neutrale Position und versuchte die beiden Parteien so gut wie moeglich wieder zu vereinen, weil ich verhindern wollte, dass wir fuer den Rest der Woche gegeneinander arbeiten. Jaja, die konnten sich dann einigermassen aussprechen..Aber muehsam, muehsam, kindisch und unnoetig (2. Augenrollen). Ich hoffe, ich kann mich weiterhin bei solchen Dingen zurueckhalten und hoffe, ich werde weiter mit allen gut zurechtkommen.
Die Woche hat echt super viel Spass gemacht, trotzdem habe ich mit einer Sache sehr Muehe: Das Essen. Wir haben eine super Koechin, aber sie hat mir erklaert, dass sie versucht hat, den Kindern Gemuese zu kochen, die meisten das aber einfach nicht essen moechten und sie deshalb alles wegschmeissen muesste. Zum einen Teil ist das der Grund, warum das Essen hier nicht gerade gesund ist, zum andern Teil ist es einfach die Kultur. Zum Fruehstueck gab es bis jetzt Pancakes, Muffins, French Toast, Speck, Roesti, Waffeln etc. Es gibt allerdings auch immer Cornflakes, aber die Kinder lieben natuerlich das andere Essen. Wir haben auch eine riesen Salatbar und wenn man zur Koechin geht, bekommt man auch Fruechte, aber die meisten essen natuerlich, was auf den Tisch kommt und das ist halt wirklich nicht das gesuendeste Essen, was man sich vorstellen kann. Ich weiche dem besonders fettigen und ungesunden Zeug so gut wie moeglich aus und dann ist es schon OK. Ich verstehe einfach nicht, wie man Kindern jeden Tag solches Essen servieren kann, wenn man genau weiss, was es anrichtet. Und ich glaube auch, dass das bei einigen Kindern der Grund fuer die Magenverstimmung war. Es gibt naemlich auch nach jedem Mittagessen und Nachtessen ein Dessert und wenn wir am Feuer essen, gibts natuerlich jedesmal HotDog und Hamburger, Chips und danach Marshmellows mit Schokolade. Da kann ich mir gut vorstellen, dass bei einigen Kindern der Magen durcheinander geraet.
Wie auch immer, das ist wirklich das einzige, was mich hier im Camp stoert - obwohl es ein wichtiger Teil des Camps ist - und mir geht es sehr sehr gut hier! Mir gefaellt die Arbeit mit den Kindern super und ich freue mich schon auf Sonntag, wenn die naechste Horde kommt. Ich uebernehme gerne die Verantwortung fuer eine Gruppe von Kindern und freue mich, wenn sie Spass haben an den Aktivitaeten, die wir ihnen bieten koennen!
Diese Woche haben wir schon ab Donnerstag Wochenende und deshalb fahre ich mit einigen Counselors nach Washington D.C., wo wir 1 Nacht verbringen werden und die Stadt besichtigen werden. Da ich ja schon mal da war, kann ich jetzt noch in aller Ruhe ins Holocaust Museum, wozu ich damals keine Zeit mehr hatte und kann bei Abercrombie and Fitch ein wenig einkaufen gehen:) Juhuuu!!
Ich habe jetzt also jeden Tag 2h Freizeit und kann mich wieder regelmaessiger melden, schreibt mir also fleissig weiter E-Mails, ich freue mich jedesmal sehr von euch zu hoeren!
Machts gut und bis zum naechsten Mal, wahrscheinlich Rueckblick auf Woche 2 aus CONOWINGOOOOOO!

PS: Fotos folgen bald bald, ich habe so viele, aber es dauert eine Ewigkeit hier, sie hochzuladen!

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