Conowingo Woche 4 und 5

July 20, 2007

Hallo zusammen,

hier bin ich wiedermal mit einem Update aus meinem Campleben (welches in etwas mehr als 3 Wochen bereits vorbei ist). Mir geht es soweit gut, ich arbeite diese Woche wieder (und zum letzten Mal) als Lifeguard, habe also nicht besonders viel zu tun und kann den ganzen Tag in der Sonne sitzen.
Mir machts hier immernoch Spass und alles ist in bester Ordnung. Bis auf mein Fuss...gestern Nacht bin ich bei meinem Gang auf die Toilette ueber eine Wurzel gestolpert und habe mir den Fuss umgeknickt...Nicht das Fussgelenk zum Glueck, aber den Mittelfuss. Es sieht nicht so aus, als ob etwas gebrochen ist, aber es tut trotzdem weh beim Gehen, deshalb humpel ich im Moment herum und alle lachen mich aus:) Und die Haut meines kleinen Zehs ist praktisch komplett weg...keine Ahnung wie ich da so s...bloed stolpern konnte. Ist echt muehsam! Aber ich werds ueberleben.

Letzte Woche war ich wieder bei den Brownies eingeteilt, d.h. die 6-9-jaehrigen. Ich war ziemlich froh darueber, weil es die Woche zuvor so viel Spass gemacht hat. Am Sonntag trudelten dann die Girls wieder alle ein und das ganze Spiel fing wieder von vorne an. Eltern liefern die Kinder ab, Counselors unterhalten sie bis alle da sind. Dann werden die Kids in ihre Gruppen und zu ihren Counselors eingeteilt. Dann gehen die Gruppen in ihre Units, wo die Kinder ihr Zeug auspacken koennen. Dann ist schon Abendessenzeit und dann ein bisschen spielen und basteln und dann Bettgehen. Ich war diese Woche mit Tina aus Slovenien und Pinja aus Finnland und wir hatten 15 kleine Brownies.
In dieser Woche war allerdings speziell, dass wir in unserer Gruppe Kinder aus ganz verschiedenen sozialen Schichten hatten. Normalerweise besteht der Grossteil der Gruppen aus weissen Mittelklassekindern aus den Vororten von Baltimore oder aus Baltimore selbst. Diesmal hatten wir in unsere Gruppe aber ein Gruppe von Maedchen, die mit einer Sozialarbeiterin hierher kamen. Es waren alles schwarze Kinder, die aus schwierigen sozialen Verhaeltnissen stammen, im eher aermeren Teil von Baltimore leben und noch nie in einem Camp (geschweige denn in der Natur) waren. Wir spuerten schon von Anfang an, dass diese Maedchen uns wohl noch einige Schwierigkeiten bereiten wuerden...So war es dann auch:) Die erste Schwierigkeit war schonmal die aussergewoehnlichen Namen aussprechen zu koennen..z.B. Cherleiah, Aaliyah, Jeneisha etc. Da die Maedchen noch nie in einem Camp waren, war fuer sie natuerlich alles neu und deshalb auch nicht ganz einfach. Z.B. hatten sie sehr Angst vor Spinnen und Kaefern und wollten deshalb nicht die Klos benuetzen, weil es da halt die ein oder andere Spinne hat. Wir mussten ihnen deshalb immer gut zureden und sie ermuntern auf Toilette zu gehen. Weil sie noch nie in einem Camp waren, war fuer sie natuerlich alles neu und auch nicht ganz einfach. Aber einige unter ihnen waren fuer uns auch nicht ganz einfach....Camille und Rayven z.B. hoerten nie auf uns und wir mussten alles immer hundertmal wiederholen bis auch sie sich aufraffen und mitmachen konnten. Allgemein war diese Gruppe Brownies sehr schwierig, wenn es ums zuhoeren ging. Das fuehrte dann schon mal dazu, dass wir Counselors etwas lauter werden mussten. Im Gegensatz zu den Stadtkindern waren einige der weissen Vorortkinder (diese Bezeichnungen sind etwas doof, ich weiss...) sehr verwoehnt, wehleidig und wollten alles so haben, wie sie es von zu Hause gewohnt sind. Das waren dann auch die, die staendig Heiweh hatten und Mami hier und Mami dort. Diese Maedchen waren also auch nicht leichter im Umgang. Die schwarzen Maedchen waren im Gegenzug sehr anhaenglich und liebenswuerdig. Sie wollten mich immer an der Hand halten beim wandern, umarmen und fanden, dass meine Haare so weich sind und wollten sie staendig anfassen. Ein Maedchen nannte mich und Pinja sogar manchmal Mami und sagte ziemlich oft :I love you! Eine von ihnen, Catelyn, hat praktisch jeden Tag einmal in die Hosen gemacht:) Und auch sonst hatten wir diese Woche einige kleine Missgeschicke. Im grossen und ganzen waren diese Maedchen aber eher selbststaendiger als die anderen Kinder. Das liegt wahrscheinlich an ihrer Herkunft. Camille hat mir erzaehlt, dass sie von ihrer Tante adoptiert wurde, weil ihr Vater im Gefaengnis und ihre Mutter krank ist. Sie hat mir das einfach mal so beilaeufig erzaehlt, als nicht zo viele Kinder um uns herum waren. Sie war auch diejenige, die nie beim ersten Mal auf uns hoerte und die manchmal ganz traurig und uninteressiert dasass...
Es war also eine sehr herausfordernde Woche mit ganz unterschiedlichen Kindern und neuen Situationen. Fuer mich, die Lehrerin werden will, war diese Woche sehr hilfreich und hat mir gezeigt, wie unterschiedlich Kinder sein koennen, je nach dem, woher sie kommen und wie sie erzogen werden. Es hat mir auch gezeigt, wie ich meine eigenen Kinder sicher nicht erziehen will...
Das Wochenende zwischen Woche 3 und 4 war super. Wir fuhren in eine nahegelegenes Shoppingmall, die einfach riesengross war und mit allen Shops, die man sich nur vorstellen kann. Es war einfach super! Ich musste mich echt zusammennehmen um nicht zu viel Geld auszugeben. Im gleichen Gebaeude hatte es auch unzaehlige Restaurants und sogar ein Kino, wo wir dann auch zum Abschluss des Tages einen Film anschauten. Letztes Wochenende war noch besser: Wir fuhren zum Strand!!! Rehoboth Beach heisst der und ist umgeben von Restaurants, Shops und Outlets. Das war echt super. Den ganzen Tag relaxen am Strand, gut essen und zum Schluss in den Outlets fuer wenig Geld coole Sachen einkaufen. Leider sind die Wochenenden viel zu kurz....Aber ich habe ja nach dem Camp noch 2 Wochen Zeit um die Straende in Kalifornien abzuklappern. Kanns kaum erwarten.
So und jetzt ist wieder Wochenende und Zeit zum relaxen. Natuerlich freue ich mich darauf!!!
Ich hoffe, es geht euch allen gut und ihr denkt immer noch an mich, denn bald komme ich ja wieder nach Hause!!:) 1. September!

Machts alle gut und bis bald
Eure Steffi

Pictures

Weekend
Meine Brownies
Kletterwand
Catelyn
 
 

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