Hier melde ich mich noch zum letzten Mal, diesmal aber schon von zu Hause aus. Hab mir gedacht, ich muss die ganze Sache hier noch zu Ende bringen. Ich bin am Samstagmorgen (1. Sept.) gut in Zürich gelandet und wurde mit Freuden am Flughafen erwartet. Dummerweise konnte ich während des ganzen Fluges von New York nicht schlafen und war deshalb ein wenig durcheinander mit der Zeit. Aber hauptsächlich wahrscheinlich auch, weil ich innerhalb von 2 Tagen um die halbe Welt geflogen bin. Ich kämpfe also immernoch ein wenig mit dem Jetlag.
Nach den schönen paar Tagen in Venice Beach fuhren Tina und ich nach West Hollywood. Unser Hostel lag an der Melrose Ave, die ja bekannt ist aus der Serie Melrose Place. War aber nicht sehr spektakulär, obwohl dort viele angesagte Restaurants und Clubs sind. Allgemein fand ich ja LA nicht besonders schön und das einzige Interessante, was uns da speziell ansprach, war das Hollywood Boulevard in Hollywood. Ansonsten gab es in West Hollywood ausser shoppen, in Restaurants und Clubs zu gehen, nichts Spannendes zu tun. West Hollywood ist bekannt als der "hippe" Teil von LA, wo sich viele junge Leute aufhalten, wo viele Partys stattfinden und wo viele Szenelokale sind. Unser Hotel sah super aus doch als wir unser Zimmer betraten, mussten wir feststellen, dass wir in einem gemischten Zimmer untergebracht wurden...War am Anfang etwas unangenehm, aber die 3 Jungs waren ganz nett. Einer aus Kuba, einer aus Australien und der dritte aus San Francisco. Wie alle anderen, mit denen wir in LA geredet hatten, hatten auch die 3 irgendwelche Träume im Filmgeschäft. Ich hatte das Gefühl, jeder, der nach LA kommt, möchte in die Filmbranche einsteigen oder behauptet, er hätte schon irgendetwas damit zu tun. In West Hollywood war es extrem. Ohne Ausnahme jeder, mit dem wir gesprochen hatten, war irgendwie ins Geschäft involviert oder hat es zumindest behauptet...Der Australier war ein richtiger Partyfreak und hat uns ein bisschen von seinen Erfahrungen mit der Clubszene in LA erzählt. "Alles, was du brauchst sind gute Kontakte, die dich auf die Gästeliste setzen. Dann musst du so und so aussehen und so und so gekleidet sein." Jaja und du bist natürlich so cool, hab ich mir dann gedacht. Dann hat er noch geprahlt, wen er schon alles getroffen hat in den Clubs, von Kate Moss über Lindsay Lohan bis Kirsten Dunst. Wer weiss, ob das alles stimmt. Mir ging das ganze wichtigtuerische gehabe von all diesen Leuten mit der Zeit ziemlich auf die Nerven.
Wir machten uns dann auf zum Hollywood Bvd, um den Walk of Fame, das Chinese Theatre, Kodak Theatre und das Hollywood Sign zu sehen. Auch hier wurden unsere Erwartungen wieder ein wenig enttäuscht. Das Hollywood Bvd ist an sich keine besonders schöne Strasse und die Sterne des Walks of Fame findet man einfach auf dem Trottoir entlang der ganzen Strasse. Das Kodak Theatre, wo jedes Jahr die Academy Awards stattfinden, hat mir dafür gefallen und das Chinese Theatre fand ich auch ok, mit den Hand- und Fussabrücken grosser Stars am Boden.
Das Highlight an diesem Tag war dann aber, dass wir herausgefunden haben, dass in Berverly Hills eine Filmpremiere stattfindet. Weil es für uns in Hollywood nichts mehr spannendes zu tun gab, fuhren wir also nochmals nach Beverly Hills und wollten uns so eine Premiere mal in echt anschauen. Der Film heisst Resurrecting the Champ und die Hauptdarsteller sind Samuel L. Jackson, Teri Hatcher und Josh Hartnett. Die Premiere fand in einem Gebäude, das irgendwas mit Film und Schauspieleri zu tun hat statt und der rote Teppich lag draussen auf dem Trottoir. Als wir ankamen, waren alle Fotografen schon da und die geladenen Gäste standen alle in Schlange vor dem Eingang. Wir warteten eine Weile gegenüber auf der anderen Strassenseite und bald hielt auch schon die erste Limousine. Wir kannten allerdings niemanden, der ausstieg. Erst als dann eine Limousine anhielt und Teri Hatcher ausstieg, wurde es interessant. Die Presseleute begannen wie wild ihren Namen zu rufen und natürlich Blitzlichtgewitter. Später kam auch noch Samuel L. Jackson mit seiner Ehefrau und auch da das Gleiche. Leider sahen wir alle nur von hinten und deshalb sind auch die Fotos nicht besonders gut. Josh Hartnett kam natürlich gar nicht
Mein Highlight in West Hollywood war ein Konzert von Mandy Moore und Paula Cole im House of Blues am Sunset Strip. Am Sunset Strip befinden sich viele berühmte Nachtclubs von LA, wie eben das House of Blues, Roxy, Viper Room (ehemals Johnny Depps Club
Gegen Ende unseres Aufenthaltes hatte ich die Nase ziemlich voll von der Scheinwelt von LA und freute mich riesig auf Hawaii. Alles in allem hat es mir in Venice Beach am besten gefallen, weil dort die Stimmung locker war, nicht so aufgesetzt, weil es einen schönen Strand hatte und weil wir dort sehr nette Leute kennengelernt haben.
Von LA aus waren es mit dem Flugzeug knapp 6 Stunden bis Honolulu, das auf der Insel Oahu liegt; nicht die grösste, aber bei den Touristen wahrscheinlich beliebteste Insel. Am Flughafen angekommen, fanden wir auch gleich den Bus, der uns vor unser Hotel fuhr. Wir entschieden uns zum Schluss für ein Hotel, weil wir es uns mit unserem letzten Geld nochmals so richtig gut gehen lassen wollten. Wir kamen am späten Abend an, sahen von Honolulu vorerst nur die Lichter. Wir waren sehr erschöpft vom Flug und gingen dann auch gleich ins Bett. Am nächsten Morgen freuten wir uns schon sehr auf den Strand, der praktisch vor der Haustür lag. Zwar nicht Waikiki Beach, aber der Strand gleich neben Waikiki. Schöner Sand, warmes, türkisfarbenes Wasser und sooooooo viel Platz für unsere Badetücher. Einfach super!!! Wir waren auf Anhieb absolut begeistert vom Strand, obwohl gleich dahinter und auch hinter Waikiki unzählige grosse Hotels stehen. Wir verbrachten den ersten Tag nur am Strand und liessen die Sonne auf unsere Bäuche scheinen.
Am nächsten Tag machten wir bei einer Tour mit, die uns an den North Shore bringen sollte. Da wir kein Auto mieten wollten und dies die einzige Möglichkeit für uns war, etwas von der Insel zu sehen, machten wir da mit. Es war ein kleiner Bus mit einem Tourführer und etwa 15 Touristen. Wir fuhren von Honolulu im Süden an der Ostküste entlang bis in den Norden, eben zum North Shore, und dann in der Mitte wieder hinunter nach Honolulu. Im ganzen gab es 7 Stops, wo wir aussteigen und uns die Umgebung anschauen konnten. Der erste Stop war bei einem buddhistischen Tempel auf einem kleinen Hügel. Ein wunderschönes Gebäude. Besonders gefallen hat mir die grosse Buddhastatue im Innern des Tempels.
Der zweite Stopp war ein kleiner Shrimptruck am Strassenrand. Offenbar gibt es viele solche, aber nach Meinung unseres Tourführers war dieser der beste. Das ganze war ausserdem ein kleiner Shop, wo man Macadamia Nüsse, Kokosnusseis, Ananas usw. kaufen konnte und eben Shrimp. Tina und ich probierten natürlich die Shrimp und sie waren wirklich ausgezeichnet, mit Reis, einer super Sauce und Salat.
Nächster Stop war der Chineseman's Hat, ein lustiger kleiner Berg im Meer draussen, der die Form eines chinesischen Hutes hat. Wir fuhren zwar lange in diesem kleinen Bus, aber dadurch hatten wir die Chance auch die Umgebung zu betrachten, wir fuhren durch Wohngebiete, dem Meer entlang und sahen so einiges von der Landschaft in diesm Teil der Insel, was wir sonst wohl nicht gesehen hätten, wenn wir nur einzelne Orte besucht hätten.
Der nächste Stop war an einer schönen Klippe am Rande eines Wohnviertels. Ein toller Felsen im Wasser mit einem Loch in der Mitte und eine wunderbare Aussicht auf das Meer und die anliegenden Strände.
Ein weiterer Stop war bei einer Shrimpzucht. Die bestand aus ca. 15 "Tümpeln" in einem Feld neben der Strasse, in denen Shrimp gezüchtet werden.
Für mich der tollste Stop war am North Shore. Wir hielten an 3 wunderschönen Stränden; Sunset Beach, Waimea Beach und Turtle Beach. Die schönsten Strände, die ich je gesehen habe. Frei von Tourismus, keine Hotels, keine Liegestühle und Sonnenschirme, nur Sand, Strand, Meer und Palmen. Unser Touristenführer hat uns empfohlen, falls wir wieder nach Hawaii kommen, sollen wir uns besser eine Wohnung hier im Norden mieten und nicht im touristischen Honolulu, denn hier wäre das echte Hawaii, die schönen Strände, die Einheimischen, die schöne Natur, die Surfer, die berühmten hohen Wellen in der Herbstsaison usw. Seit ich diese schöne Gegend gesehen habe, kann ich gut verstehen, wenn man Hawaii nicht mehr verlassen möchte!
Einer der letzten Stops war die Dole Ananasplantage, wo man allerlei hawaiianische Esswaren einkaufen konnte, natürlich Ananas und noch vieles mehr. Ausserdem hatte es ein riesiges Labyrinth, wo man durchlaufen konnte. Der Tourführer riet uns allerdings davon ab, aus Zeitmangel und weil sich schon mal einer seiner Touristen darin verlaugen hatte und die Gruppe dadurch ca. 1 Stunde zu spät in Honolulu ankam. Es hätte mich aber doch sehr gereizt...
Alles in allem fand ich diese Tour spannend, weil wir dadurch einen Eindruck von der Insel bekamen und diese schönen Strände sahen. Während der ganzen Zeit im Bus erzählte der Tourführer Geschichten über Hawaii, er erzählte von den Menschen, dem Leben und den Traditionen auf Oahu. Ausserdem liess er schöne hawaiianische Musik im Radio spielen. Es war wirklich sehr interessant. Ich wünschte nur, ich wüsste noch alle hawaiianischen Sätze, Wörter und Orte, die er uns beigebracht und gezeigt hat...
Die nächsten paar Tage verbrachten wir dann wieder am Strand, einmal an demjenigen nahe unserem Hotel, ein ander Mal liefen wir ca. 15 Minuten zum Waikiki Beach.
Nebst dem Schwimmen und Relaxen am Strand war mein Highlight in Hawaii das Luau in der Paradise Cove. Auch das war wieder für Touristen organisiert und wurde uns sehr empfohlen von unserem Hotel. Ein Bus fuhr eine Horde Touristen zu einem abgelegenen Strandabschniit namens Paradise Cove, wo den Touristen einige hawaiianische Traditionen gezeigt und vorgeführt wurden, wo wir ein super Abendessen und eine Show geniessen konnten.
Wir wurden empfangen von einer Gruppe Hawaiianern, die für uns das Programm gestalteten. Als erstes erhielten wir ein Lei (ein Blumenkranz) und einen Drink. Danach durften wir unsere Zeit damit vertreiben, hawaiianische Traditionen kennenzulernen. Ich lernte, wie man ein Lei aus Blüten herstellt, Kopf- und Armschmuck aus Bambusblättern und Blüten. Ausserdem konnten wir zuschauen, wie die Hawaiianer fischen, wie man eine Kokosnuss öffnet und wie man nur mit Hilfe eines Tuches um die Füsse auf eine Palme klettert. Einige Touristen (Männer) wurden ausgewählt, vor allen in Baströcken und oben ohne den "Hula" vorzutanzen. Das war sehr lustig!!!
Nach einem wunderschönen Sonnenuntergang wurden wir zu Tisch gebeten und es gab ein supergutes Nachtessen (wüsste ich doch nur noch die hawaiianischen Namen für alle Gerichte). Reis mit Thunfisch, Fisch, Lachssalat, 2 verschiedene Pastasalate und Chicken und dazu einen Pina Colada. Zum Dessert gab es Ananas und alles was das Herz begehrt mit Kokosnuss!
Das Beste kam zum Schluss: Eine Tanzshow mit wunderschönen hawaiianischen Hulagirls und fitten Typen. Dazu hawaiianische Musik einer genialen Band. Ein perfekter Abschluss für einen perfekten Abend.
Die Strände in Honolulu waren zwar auch wunderschön und Honolulu ist eine tolle Stadt, wo es gemächlich, freundlich und fröhlich zugeht, aber die Strände im Norden sind halt doch naturnäher, reiner und schöner. Diese Gegend hat mich am meisten fasziniert, aber auch der Lebensstil, die Menschen und die ganze Kultur, die einfach so viel Lebensfreude und Genuss und Stolz ausstrahlt.
Ich hoffe, die Hawaiianer können ihre schönen Landschaften und Strände noch lange vor dem grossen Tourismus und den Hotelüberbauungen beschützen!
Nach leider viel zu kurzen 6 Tagen auf Oahu hiess es für uns schon wieder Koffer packen, diesmal zum letzten Mal und zurück nach New York zu fliegen, wo am nächsten Tag auch schon mein Flug zurück in die Schweiz auf mich wartete. Ich wäre gerne noch länger auf Hawaii geblieben, aber ich freute mich auch sehr auf Zuhause.
Es war schön für mich, meinen Sommer und meine Reise mit diesen wunderschönen Tagen auf Oahu beenden zu können, aber es machte den Abschied natürlich auch ein wenig schwerer.
Ich ging am Morgen unserer Abreise vor Sonnenaufgang zum Strand und wartete dort auf die ersten Sonnenstrahlen. Es wurde ganz langsam immer heller und schliesslich kam die Sonne hinter den Hoteldächern hervor und schien über den Diamond Hill auf den Strand und das Wasser. Ich hatte da nochmals ein wenig Zeit über die vergangenen vier Monate nachzudenken, ging alles, was ich erlebt hatte, nochmals im Kopf durch, erinnerte mich an die schönsten und die schlimmsten Momente zurück und fand somit mein eigenes, ruhiges und schönes Ende dieses Sommers.
Meine Ziele, die ich mir zu Beginn dieser vier Monate gesetzt hatte, konnte ich alle erreichen: Ich hatte Spass, VIEL Spass, genoss das Leben und die Freiheit, habe mich (denke ich) weiterentwickelt, vor allem was meine Offenheit gegenüber allem Fremden betrifft, weiss dank dem Camp nun mit Sicherheit, dass ich mit Kindern arbeiten möchte, habe mich und meine Fähigkeiten besser kennengelernt, weiss, was ich vom Leben will, habe Menschen und Orte kennengelernt, die ich nie wieder vergessen werde! Und noch vieles, vieles mehr.
Es hat sich also gelohnt!



